von THORSTEN DAMBECK
Trockenen Fußes können Fossilienjäger mancherorts den Boden einstiger Meere absuchen: So belegen spitze Haifischzähne in den Sandgruben des Mainzer Beckens, dass hier einmal Meereswellen wogten. Vor 30 Millionen Jahren reichte ein weit nach Süden vorgeschobener Arm der Ur-Nordsee bis dorthin – Hunderte Kilometer von allen heutigen Stränden entfernt.
Auf dem Mars gehören sogar sämtliche Oberflächengewässer einer längst vergangenen Epoche an. Die vor Jahrmilliarden trocken gefallenen Flüsse und Seen sind von Landesonden sowie von Orbitern aus der Umlaufbahn eingehend erkundet worden – und es wurden überzeugende Belege gefunden. Doch wie steht es um mögliche Marsozeane?
Marsianisches Weltmeer
Beim Blick auf einen Marsglobus fällt eine seltsame Aufteilung der Oberfläche auf: Das stark von Kratern geprägte Hochland im Süden ist scharf von den kaum verkraterten Tiefebenen im Norden abgegrenzt.
Wie ist diese globale Zweiteilung entstanden?
Die Hypothese, dass einst weite Teile der Nordhalbkugel von einem marsianischen Weltmeer bedeckt waren, treibt Planetologen seit vielen Jahren um. Demnach soll zu Beginn der Geschichte des Roten Planeten, etwa 4,1 bis 3,8 Milliarden Jahre vor unserer Zeit, fast ein Drittel der gesamten Marsoberfläche ein Meer gewesen sein. Dieses hätte das Becken Vastitas Borealis gefüllt – ein riesiges Tiefland, das mehrere Kilometer unter dem Nullniveau des Planeten liegt.
Ein Beleg für das hypothetische Marsmeer sollen topografische Merkmale sein, die an alte Küstenlinien erinnern – ein Argument, das in der Fachwelt kontrovers beurteilt wird. Auch die Marsluft wurde als Indiz herangezogen, insbesondere die isotopische Zusammensetzung des Wasserdampfs. Jüngere Studien wollen sogar die Spuren gewaltiger Tsunamis ausgemacht haben – ausgelöst von Planetoiden, die ins Nordmeer stürzten.
Nicht zuletzt diese Frage nach dem Marsozean will die chinesische Raumfahrtbehörde mit ihrer ersten Marsmission beantworten. Sie umfasst einen Orbiter, ein stationäres Landegerät und ein sechsrädriges Marsmobil (bdw 11/2021, „Die Neuentdeckung unserer Nachbarwelt“). Das solarbetriebene Mobil namens Zhurong, benannt nach einem altchinesischen Feuergott, wiegt rund 240 Kilogramm – etwa ein Viertel des NASA-Gefährts Perseverance.





