Doch das Image des langweiligen Insektenfressers ist zumindest unter Experten mittlerweile passé, berichtet das Magazin “bild der wissenschaft” in seiner Aprilausgabe: Neue Funde zeigen, dass die Ursäuger, die erstmals vor etwa 200 Millionen Jahren die Bildfläche betraten, nur 50 Millionen Jahre brauchten, um Land, Wasser und die Luft zu erobern und das in einer Vielfalt, die der der heutigen Säugetiere kaum nachsteht.
So machte zum Beispiel bereits vor 130 Millionen Jahren ein 12 bis 14 Kilogramm schweres Raubtier namens Repenomamus giganticus die Waldgebiete des heutigen Chinas unsicher. Ähnlich gebaut wie ein Dachs, mit einer kräftigen Kiefermuskulatur und spitzen Zähnen, ging er auf die Jagd und erbeutete mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Dinosaurier. Bei seinem kleineren Verwandten Repenomamus robustus ist sogar sicher, dass Babydinos auf seinem Speiseplan standen: In einem vollständig erhaltenen Skelett des Ursäugetiers entdeckten Forscher nämlich Reste seiner letzten Mahlzeit die Knochen eines jungen Psittacosauriers.
Auf eine ganz andere Art von Nahrung hatte sich hingegen Fruitafossor windscheffeli spezialisiert, der vor 150 Millionen Jahren im heutigen Colorado lebte. Nur 15 Zentimeter klein, besaß das Tierchen kräftige Vorderbeine, stiftförmige Zähne, scharfe Klauen und eine Wirbelsäule, die zwischen den einzelnen Wirbeln mit einem zusätzlichen Gelenk ausgestattet war. Damit konnte es in unterirdische Bauten eindringen und sich direkt an Termiten und Ameisen gütlich tun ähnlich wie heute Ameisenbären und Gürteltiere.
Schon einige Millionen Jahre früher hatten die Ursäuger auch das Wasser für sich entdeckt. Castorocauda lutrasimilis beispielsweise, ein 50 Zentimeter langes biberartiges Tier mit plattem Schwanz, konnte mit Hilfe von Schwimmhäuten zwischen den Zehen schwimmen, war aber auch fürs Graben an Land gerüstet. “Seine Lebensweise ähnelte der eines modernen Schnabeltiers”, vermutet der Entdecker des im heutigen China lebenden Tieres, der amerikanische Paläontologe Zhe-Xi Luo.
Etwas mehr in Richtung Land zog es hingegen Haldanodon exspectatus, einen engen Verwandten des Urbibers, dessen Überreste im heutigen Portugal entdeckt wurden: Er lebte am Rand von Gewässern und grub Höhlen in die sandigen Ufer. Ernährt hat er sich anscheinend von ebenfalls ausgebuddelten Würmern und Larven, denn der daran klebende Sand hinterließ deutliche Abnutzungsspuren an den Zähnen der bisher entdeckten Funde.
Nahezu zeitgleich begannen die Ursäuger zudem, die Luft zu erobern, berichtet “bild der wissenschaft”. Pionier dabei war Volaticotherium antiquum: Das 14 Zentimeter lange, ebenfalls aus dem Nordosten des heutigen Chinas stammende Tier besaß eine Flughaut zwischen Vorder- und Hinterbeinen, mit der es von Ast zu Ast segeln konnte und das möglicherweise schon früher als der Urvogel Archaeopteryx.
Leider waren diese Ursäuger, so spektakulär sie auch erscheinen mögen, keine Erfolgsmodelle. Ihr Lebensstil führte sie in evolutionäre Sackgassen, so dass keiner von ihnen ein direkter Vorfahr heute lebender Tiere ist zu unflexibel wurden sie durch die starke Spezialisierung auf einen bestimmten Lebensraum. “Die Entwicklung ging immer bei den kleinen, weniger spezialisierten Arten weiter”, erläutert der Paläontologe Thomas Martin von der Universität Bonn.
Dazu gehört beispielsweise Morganucodon: Lediglich zehn Zentimeter groß, schaffte es das Tierchen bereits vor 200 Millionen Jahren, praktisch überall auf der Welt vertreten zu sein. Es besaß schon ein typisches Säugergebiss, bei dem die Zähne nur einmal im Lauf des Lebens wechseln. Zudem entwickelte es bereits das empfindliche Gehör der Säugetiere, für das ein Umbau des Unterkiefers notwendig wurde.
Und schließlich gibt es da noch Henkelotherium guimarotae, mit sieben Zentimetern Körperlänge und einem Kopf nicht größer als ein Daumennagel ein sehr unauffälliger Vertreter der Ursäuger. Umso beeindruckender ist seine besondere Stellung: Er ist der älteste bekannte Angehörige der Stammlinie der modernen Säugetiere und deswegen für Paläontologe Martin unendlich viel spannender als die riesigen Dinosaurier: “Seinen Nachfahren gehörte schließlich die Zukunft nicht denen der Dinosaurier”.





