von THORSTEN DAMBECK
Am 14. Juli 2015 raste die Raumsonde New Horizons mit dem zehnfachen Tempo einer Gewehrkugel an Pluto vorbei. Es war das erste und bislang einzige Mal, dass der Zwergplanet irdischen Besuch empfing und diese exotische Welt somit im Detail erkundet wurde. Seitdem haben Wissenschaftler die über viele Monate hinweg zur Erde gefunkten Messdaten von dieser Begegnung akribisch analysiert. Jüngst konnten sie sogar Plutos mysteriösem Tiefenmeer einige Geheimnisse entreißen.
Neben der Wissenschaft hatte die Sonde auch eine zeremonielle Aufgabe: An Bord ist etwas Asche des Mannes, der Pluto vor fast einem Jahrhundert entdeckt hat. Clyde William Tombaughs sterbliche Überreste waren nach fast zehnjähriger Reise am Ziel.
Der ferne Himmelskörper fasziniert, seit ihn Tombaugh 1930 erstmals als schwachen Lichtfleck auf einer Fotoplatte erspäht hat. Was damals noch unbekannt war: Pluto ist nicht allein. Tombaugh hatte den ersten von zahlreichen planetaren Körpern an der Außengrenze des Sonnensystems aufgespürt, die man mittlerweile Kuiper-Objekte nennt. Pluto ist mit 2376 Kilometer Durchmesser das größte bekannte Exemplar. Er ist somit kein ausgewachsener Planet, sondern wird nun als Zwergplanet bezeichnet (bild der wissenschaft 12/2006, „Plutos Sturz“).
Der sonnenferne Himmelskörper fristet sein Dasein in ewigem Dämmerlicht. Sein Name bezieht sich daher auch auf den römischen Gott der Unterwelt. Wegen seines enormen Sonnenabstands – im Mittel das 39,5-Fache der Distanz von Sonne und Erde – erhält Pluto lediglich 0,06 Prozent der Wärme, mit der die Sonne unseren Planeten bestrahlt. Seine Temperatur beträgt deshalb im Mittel eisige minus 230 Grad Celsius.
Kein Planetenforscher hatte die geologische Vielfalt von Pluto erwartet (bild der wissenschaft 12/2017, „Der ferne Doppelplanet“). Über den teils erdähnlichen Landschaften erstreckt sich sogar eine dünne Gashülle hauptsächlich aus Stickstoff, hinzu kommen Methan und Kohlenmonoxid.
An manchen Orten frieren diese Gase aus und bedecken die Oberfläche. In großem Stil gilt das für die ausgedehnte Sputnik-Ebene, wo ein gewaltiger Stickstoff-Gletscher das auffälligste Oberflächenmerkmal Plutos bildet. Andernorts gab es wahrscheinlich Seen aus gefrorenem Stickstoff. Ein Beispiel haben die Bordkameras in den Bergen nördlich von Sputnik entdeckt. Die Forscher haben berechnet, dass die Gashülle Plutos deutlich dichter gewesen sein muss, als dieser See einst flüssig war.
Auch Methan, auf der Erde die Hauptkomponente im Erdgas, kommt auf dem eisigen Pluto in fester Form vor. Es bedeckt als Schneekappe die Gipfelregionen einiger äquatornaher Gebirge.





