Etwa 30 Millionen Jahre, nachdem die ersten Wirbeltiere das Land erobert hatten, breiteten sich Pflanzenfresser verstärkt aus. Diese Entwicklung wurde durch die Erfindung des Kauens möglich, berichten Robert Reisz von der University of Toronto in Kanada und Natalia Rybczynski von der Duke University in North Carolina im Fachjournal Nature.
Das älteste Reptil, das das Mümmeln harter, faseriger Pflanzenteile perfektionierte, war Suminia getmanovi, ein 30 Zentimeter langes Tier mit großen Augen und beeindruckenden Zähnen.
Reisz und Rybczynski untersuchten die Zähne eines in Russland gefundenen Exemplars von Suminia mit dem Elektronenmikroskop und entdeckten dort Riefen, die darauf schließen ließen, dass das Tier pflanzliche Nahrung durch Scherbewegungen des Kiefers zerkleinerte. Im Gegensatz zu vielen heute lebenden Reptilien – etwa Eidechsen und Krokodilen – treffen sich die Zähne von Ober- und Unterkiefer von Suminia.
Die Fähigkeit, harte Stängel und Blätter effektiv zu verkleinern, half Suminia dabei, die in Pflanzen enthaltenen Nährstoff besser zu verwerten. Das führte erstmals zur größeren Ausbreitung der damals lebenden pflanzenfressenden Wirbeltiere, der so genannten Anomodonta. Die Fähigkeit zu kauen revolutionierte auch den Aufbau des Ökosystems: Vor der Erfindung des Kauens gab es nur sehr wenige Pflanzenfresser. Die meisten damals lebenden Wirbeltiere ernährten sich von wirbellosen Tieren. Außerdem gab es Raubtiere, die sich von Ersteren ernährten.
Mit der Ausbreitung der Pflanzenfresser etablierte sich die moderne Form des Ökosystems, in dem sich wenige Raubtiere von vielen Pflanzenfressern ernähren.
Ute Kehse





