Zum Inhalt springen
Bild der Wissenschaft
AnmeldenAbonnieren
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Rezensionen
  • Podcast
  • BDW Plus
Bild der Wissenschaft
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Kolumnen
  • Nachgefragt
  • Rezensionen
  • Podcast
  • Lexikon
Wissenschaft-Newsletter
Die wichtigsten Entdeckungen der Woche direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • Einzelheftverkauf
  • BILD DER WISSENSCHAFT Marktplatz

Unsere Partner

  • Fraunhofer IPA
  • Leibniz-Institut ifl
  • wissen.de
  • ScienceBlogs
  • experimenta
  • Wissenschaftspodcasts

Info

  • AGB
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
  • Datenschutzeinstellungen

Kontakt zur Redaktion

BILD DER WISSENSCHAFTErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Tel: +49 (0)711 7594-392
E-Mail: wissenschaft@konradin.de
Folgen Sie uns
Konradin Mediengruppedamals.denatur.de
© 2026 Bild der Wissenschaft
Startseite/Archäologie/Artikel
Das goldene Zeitalter des Briefs
Archäologie

Das goldene Zeitalter des Briefs

Die Einführung der „Correspondenz-Karte“ 1869 erwies sich als Geniestreich. Für wenig Geld konnten auf diese Weise unkompliziert kürzere Nachrichten versendet werden. bpk-Fotoarchiv / Willy Römer

Im Jahr 1867 löste die staatliche Reichspost das Unternehmen der Familie Thurn und Taxis ab. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese zum größten Arbeitgeber des Kaiserreichs. Die Zustellung von Milliarden von Briefen im Jahr erforderte eine sehr aufwendige Logistik.
Autor
Redaktion
15. Mai 2026
Lesezeit
8 Minuten
Rubrik
Archäologie
Im Jahr 1867 löste die staatliche Reichspost das Unternehmen der Familie Thurn und Taxis ab. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich diese zum größten Arbeitgeber des Kaiserreichs. Die Zustellung von Milliarden von Briefen im Jahr erforderte eine sehr aufwendige Logistik.

Im deutschen Kaiserreich lebte ein Volk der Briefeschreiber. Längst war diese Form der Kommunikation keine Domäne der Oberschicht mehr, wie noch zu Zeiten Johann Wolfgang von Goethes oder Annette von Droste-Hülshoffs. In der umfassend alphabetisierten Gesellschaft des Kaiserreichs schrieben alle Briefe. Mit der Einführung der „Correspondenz-Karte“ 1869 wurden auch kurze und kürzeste Nachrichten ausgetauscht. Rund 5,5 Milliarden Briefe transportierte die deutsche Postverwaltung um 1910 jedes Jahr. Das entsprach 105 Briefen pro Kopf der Bevölkerung, nicht sehr viel weniger als heute, wobei heute die meisten Briefe Rechnungen und Reklame sind.

Damals waren Briefe und Postkarten dagegen die einzige Möglichkeit, wie die Menschen miteinander Kontakt halten konnten, selbst auf kürzesten Distanzen innerhalb von Städten. In Berlin und anderen deutschen Großstädten bildete die „Stadtpost“ eine eigene Unterorganisation, die Nachrichten ganz selbstverständlich innerhalb von wenigen Stunden innerhalb der Stadtgrenzen zustellte.

Daneben gab es – wie in anderen Großstädten rund um die Welt – kommerziell organisierte messenger boys und private Postunternehmen, denn das Postmonopol erstreckte sich nach dem Gesetz von 1867 nur auf den „Briefverkehr zwischen Orten mit einer Postanstalt“. Innerorts und zwischen Orten, die von der Postverwaltung nicht bedient wurden, hatte die Privatwirtschaft freie Hand.

Diese aus heutiger Sicht sehr liberale Regelung ging auf den zum Teil sehr schlechten Ausbauzustand des postalischen Netzes in einigen Teilen des Reichs zurück. Außerdem hatte in zahlreichen Territorien des späteren deutschen Kaiserreichs bis 1867 ein Privatunternehmen die Post organisiert, die Familie Thurn und Taxis. Das Adelsgeschlecht betrieb bis 1866 das Postwesen für zahlreiche deutsche Territorien im Rahmen eines privatwirtschaftlichen Monopols, in den unterschiedlichen hessischen Territorien beispielsweise und in den Hansestädten.

Als Preußen aber in den Einigungskriegen 1866 Frankfurt am Main besetzte, den Hauptsitz der Thurn-und-Taxis-Post, annektierte die neue europäische Großmacht auch das private Unternehmen und inkorporierte es in die preußische Postverwaltung. Der später legendäre „Generalpostmeister“ Heinrich von Stephan sprach in seinem Bericht an die Berliner Zentrale von einem „postalischen Königgrätz“. Denn wie in der entscheidenden Schlacht zwischen Preußen und Österreich hatte die Annexion 1866 den Sieg der staatlichen preußischen Postverwaltung über das Privatpostunternehmen mit Tiroler Herkunft gebracht.

Das führte aber noch nicht zu einem vollständigen Staatsmonopol, weil die staatliche Post zu diesem Zeitpunkt eben nicht alle Bedürfnisse und Regionen gleichermaßen hätte befriedigen können. Erst mit der Neufassung des Postgesetzes 1899 im geeinten Kaiserreich wurde das geändert. Das Postmonopol wurde auf den innerstädtischen Nachrichtenverkehr ausgeweitet und die 76 privaten Postunternehmen mit einem Betrag von zusammen sechs Millionen Mark entschädigt (das entspräche heute rund 55 Millionen Euro).

Eine nie wieder erreichte Leistungsfähigkeit: bis zu elf Briefzustellungen am Tag

In einer historisch unvergleichlichen Wettbewerbssituation und angetrieben durch den rasant steigenden Informationsbedarf der schnell wachsenden Großstädte erreichte die Post eine kaum vorstellbare Leistungsfähigkeit: Zeitweise konnten den großstädtischen Kunden elf Mal am Tag Postsendungen zugestellt werden; Briefkästen wurden bis zu acht Mal am Tag geleert. Nie wieder in der Geschichte ist diese Frequenz erreicht worden, denn mit der Telegraphie, der Rohrpost und dann vor allem der Erfindung und Einführung des Telefons 1876 traten langsam, aber sicher andere Medien an die Stelle der großstädtischen Briefkommunikation.

Bevor wir uns diesen wichtigen technischen Innovationen zuwenden, die anfänglich nur von einer sehr kleinen Oberschicht genutzt werden konnten, soll der Blick auf die Kommunikation auf dem Land gelenkt werden. Denn hier war der Brief das zentrale Kommunikationsmittel und blieb es für viele bis in die 1960er Jahre, bevor das Telefon flächendeckend verbreitet war.

Das deutsche Kaiserreich war eine sehr mobile Gesellschaft. Ein Drittel der Menschen lebten zur Jahrhundertwende nicht mehr in dem Ort, in dem sie geboren worden waren. Auf der Suche nach Arbeit und Einkommen waren sie häufig sehr weit gewandert, von den polnischen und ostdeutschen Gebieten in das Ruhrgebiet oder aus Südwestdeutschland in die USA. Für diese Menschen stellten Briefe die einzige Möglichkeit dar, mit ihren Familien Kontakt zu halten. Große Sammlungen von Auswandererbriefen beispielsweise an der Universität Erfurt zeugen von dieser Kontaktpflege.

Auch hinter diesem flächendeckenden Briefverkehr, der die Kommunikation von der deutschen Provinz in die entlegensten Regionen beispielsweise in den USA erlaubte, steckte eine große, vor allem organisatorische Leistung. Die Reichspostverwaltung hatte in Gestalt von Heinrich von Stephan die Initiative ergriffen. Durch die maßgeblich von ihm initiierte Gründung des Weltpostvereins 1874 konnten die zahlreichen, befristet geschlossenen bilateralen Postverträge durch eine allgemeine Regelung ersetzt werden, wobei es nicht zuletzt ums Geld ging, nämlich um die Aufteilung der Gebühreneinnahmen zwischen den beteiligten Postverwaltungen.

War die Übersendung von Nachrichten über große Entfernungen zuvor unzuverlässig und trotzdem teuer gewesen, so dass es vor allem Kaufleute vorzogen hatten, eigene Korrespondenznetzwerke aufzubauen, so entstand nun ein vergleichsweise zuverlässiger globaler Postverkehr. Zur Verbesserung der internationalen Postverbindungen subventionierte der deutsche Staat seit den 1880er Jahren zahlreiche „Postdampferlinien“ in die Kolonien und nach „Übersee“.

Im Jahr 1910 arbeiten 300 000 Menschen bei der Post

Angesichts der großen Bedeutung, die der Postverkehr für die Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs hatte, überrascht es nicht, dass die Postverwaltung großes Ansehen genoss. Schon das beispiellose Größenwachstum der Behörde beeindruckte: Arbeiteten 1876 erst 58 000 Menschen für die aus der preußischen Post hervorgegangene Reichspostverwaltung, so wuchs das Personal bis auf 300 000 Mitarbeiter im Jahr 1910. Viele von ihnen genossen dabei die Stellung von „Beamten“. Selbst einfache Tätigkeiten, die kaum eine Ausbildung erforderten, wurden durch „Unterbeamte“ ausgeführt. Sicherheit und Bezahlung der Postjobs waren begehrt. Uniformen mit Dienstrangabzeichen erinnerten eher an das Militär und nicht an die heutige Dienstleistungskultur. In der stark militaristischen Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs bezogen die „Stephansjünger“ hieraus zusätzliches gesellschaftliches Ansehen.

Das rasche Wachstum der Postverwaltung schlug sich in einer Zunahme des Gebäudebesitzes nieder, insbesondere in der „Gründerzeit“, als das postalische Netz in die Fläche ausgebaut wurde. Aus den 6500 Postämtern des Jahres 1876 wurden 40 Jahre später 34 000.

Für viele Postämter wurden neue Gebäude errichtet, was auch Kritik hervorrief. Denn in den Augen einiger Zeitgenossen waren die Gebäude allzu luxuriös gestaltet und wurden als „Postpaläste“ beschimpft, während es den Menschen nach der Gründerkrise in den 1870er Jahren vielerorts schlecht ging. In vielen Städten gehören die Postbauten der Gründerzeit bis heute zu den schönsten Gebäuden.

Dabei dienten die Türme der „Postpaläste“ keineswegs der Repräsentation oder Machtdemonstration, sondern beherbergten vielmehr unzählige Telegraphen- und Telefonleitungen, die seit den 1880er Jahren die Tür zu einem ganz neuen Zeitalter der Kommunikation aufgestoßen hatten. Die Reichspost wurde hierdurch zu einem Hort der medialen Innovation im deutschen Kaiserreich. Mit eigenen Laboratorien und „Versuchsanstalten“, aus denen zahlreiche Patente hervorgingen, nahm sie diese Herausforderung so schnell an, wie wir es heute von einer staatlichen Verwaltung wohl kaum erwarten würden.

Die Telegraphie war wie in vielen anderen Staaten auch in Deutschland zunächst als eine Domäne des Militärs entstanden und wurde bis 1876 von einer eigenständigen Verwaltung betrieben. Zwar beförderte die preußische Telegraphenverwaltung seit 1850 auch private Telegramme. Der Ausbau eines insbesondere für die Privatwirtschaft nutzbaren flächendeckenden Telegraphennetzes setzte aber letztlich erst nach der Zusammenführung von Post und Telegraphenverwaltung 1876 ein.

In diesem Zusammenhang wurde nur wenige Jahre später auch das Telefon eingeführt. Während man das Telefon beispielsweise in den USA und Großbritannien überwiegend der Privatwirtschaft überließ, unterwarf die deutsche Reichspost den merkwürdigen Apparat von Beginn an dem staatlichen Monopol, was im Telegraphengesetz von 1892 bestätigt wurde: Einrichtung und Betrieb von elektrischen Anlagen zur Nachrichtenübermittlung waren nur dem Staat gestattet.

Telefone sind zunächst noch sehr teuer

Die Bedeutung dieses Schritts war damals noch keineswegs absehbar. Denn die Telefone waren zwar benutzerfreundlich und ungefährlich, aber eben auch teuer. Und welchen Zweck erfüllte ein Telefonnetz, an dem sich anfangs nur eine sehr kleine Personengruppe beteiligte? Wenn die Netze größer würden, müsste die Postverwaltung in großem Stil Telefonvermittlungsämter bauen – ein damals äußerst experimentelles Feld. Durch die Zusammenarbeit mit den großen Berliner Elektrounternehmen konnte diese Herausforderung aber sehr rasch gemeistert werden.

Die wiederum von Heinrich von Stephan maßgeblich angestoßene, mutige Expansion in das Feld der Telefonie zahlte sich letztlich aus, insbesondere als in den 1890er Jahren die kleinen städtischen Telefonnetze verbunden werden konnten und überörtliche Gespräche möglich wurden. Zwar steigerten sich hierdurch die technischen Anforderungen erheblich, aber die Reichspost konnte ihre organisatorischen Fähigkeiten hier gewinnbringend einsetzen.

Auch im „Fernmeldewesen“ kam es nämlich zur Jahrhundertwende auf eine effiziente Organisation der Abläufe an. Zählten die kleinen und zum Teil noch vollkommen isolierten Telefonnetze im Deutschen Reich 1895 erst 95 000 Anschlüsse, war die Zahl nur 15 Jahre später auf 580 000 angewachsen.

Allmählich begann sich die mediale Infrastruktur des deutschen Kaiserreichs hierdurch zu verändern. In den Städten wurde die Frequenz der postalischen Zustellung verringert, weil viele Kunden nun Telefon, Telegraphie oder – besonders in Berlin – die Rohrpost benutzten. Insbesondere für die Kommunikationsbedürfnisse der Unternehmen und für den internationalen Verkehr wurden Telegraphie und Telefon immer wichtiger.

Interessant ist: Die Postverwaltung hatte die Investitionen in die zukunftsträchtigen Technologien selbst erwirtschaftet. Heinrich von Stephan und seine Nachfolger verfolgten die Strategie, über die Ausweitung der internen Investitionen die Überschüsse zu reduzieren, denn diese flossen in den allgemeinen Reichshaushalt, dessen dauerhafte Schieflage sie wenigstens geringfügig abmilderten.

Nicht zuletzt diese ökonomische Potenz bildete neben der großen Sichtbarkeit der Institution und ihrer Dienststellen die Grundlage für das Ansehen der Reichspost. Die Gesellschaft des Kaiserreichs war zeitweise tief gespalten, etwa durch die Sozialistengesetze oder die Schutzzollpolitik, doch im Hintergrund entstand eine angesehene und ausgesprochen leistungsfähige Behörde, die selbst dem Revolutionär Wladimir Iljtsch Lenin Respekt abnötigte, als er 1917 schrieb: „Die gesamte Volkswirtschaft muss so organisiert sein wie die Deutsche Post.“ Die planwirtschaftlichen Überzeugungen, die sich hinter Lenins Politik verbargen, hätten dem 20 Jahre vorher in Berlin verstorbenen Generalpostmeister Stephan allerdings nicht gefallen.

Autor: Prof. Dr. Jan-Otmar Hesse

lehrt Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Bayreuth.

Literatur

Klaus Beyrer (Hrsg.), Kommunikation im Kaiserreich. Der Generalpostmeister Heinrich von Stephan. Ausstellungskatalog der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Heidelberg 1997.
Jan-Otmar Hesse, Im Netz der Kommunikation. Die Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung 1876–1914. München 2001.

Mehr aus Archäologie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Archäologie.

Alle Archäologie-Artikel
Komplexe hydraulische Systeme versorgten Saladins Zitadelle
Archäologie

Komplexe hydraulische Systeme versorgten Saladins Zitadelle

11. Juni 2026

Die im Mittelalter von Sultan Saladin errichtete Zitadelle ist noch heute eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten von Kairo. Jetzt haben…

DAMALS-Podcast, Folge 164: Warum die erste Fußball-WM in Uruguay war
Archäologie

DAMALS-Podcast, Folge 164: Warum die erste Fußball-WM in Uruguay war

11. Juni 2026

Die erste Fußballweltmeisterschaft fand 1930 in Uruguay statt. Aber warum eigentlich gerade dort? Bis dahin hatten die großen europäischen…

Rätsel um kopflose Skelette geht weiter
Archäologie

Rätsel um kopflose Skelette geht weiter

9. Juni 2026

Kopflose Skelette aus einem jungsteinzeitlichen Siedlungsgraben in der Slowakei geben Archäologen weiterhin Rätsel auf. Denn warum Menschen…

Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case
Archäologie

Mammutfund erweist sich als steinzeitliches Cold Case

8. Juni 2026

Cold Case: Ein bei Regensburg entdecktes Mammutskelett hat sich als wichtiges Zeugnis der menschlichen Frühgeschichte entpuppt. Denn…

← Zurück zu ArchäologieZur Startseite