Wenn große Galaxien kleine verschlucken, dann entreißen sie ihren Opfern manchmal nur die äußere Hülle aus Sternen. Wie der ausgelutschte Kern eines Pfirsichs kann das Zentrum einer Zwerggalaxie eine solche Kollision aber überstehen ? und fortan als Kugelsternhaufen im Dunstkreis der großen Galaxie sein Dasein fristen. Das berichten Paul Martini vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und Luis Ho von der Carnegie Institution in Washington im Astrophysical Journal (Ausgabe 20. Juli 2004).
Kugelsternhaufen bestehen aus Millionen von Sonnen, die auf einem Gebiet von wenigen Lichtjahren zusammengepfercht sind. Zur Milchstraße gehören etwa 200 Kugelsternhaufen, die hauptsächlich aus alten Sternen bestehen. Ihre Geschichte war bislang jedoch unklar.
Nun beobachteten Martini und Ho Kugelsternhaufen, die zur 12,5 Millionen Lichtjahre entfernten Riesengalaxie Centaurus A gehören. Centaurus A besitzt mehr Masse als die Milchstraße und die Andromeda-Galaxie zusammen und wird von 2000 Kugelsternhaufen begleitet. Martini und Ho nahmen die hellsten dieser Ansammlungen mit dem Magellan-Clay-Teleskop in Chile aufs Korn. Sie stellten fest, dass diese 14 Kugelsternhaufen zehnmal so schwer sind wie typische Kugelsternhaufen in der Milchstraße. “Sie kommen schon in den Bereich kleinerer Galaxien”, berichtet Martini.
Bei Galaxien besteht ein Zusammenhang zwischen ihrer Masse und dem Gewicht des Schwarzen Lochs in ihrem Zentrum. Da kürzlich im Andromeda-Nebel ein Kugelsternhaufen mit einem mittelschweren Schwarzen Loch im Zentrum entdeckt wurde, schließen die Forscher, dass auch Kugelsternhaufen früher einmal Galaxien waren. Heute sind sie aber nur noch ein Schatten ihrer selbst. Martini und Ho wollen jetzt die Kugelsternhaufen von Centaurus A daraufhin untersuchen, ob sie auch Schwarze Löcher beherbergen.
Ute Kehse





