Barrow führt dem Leser kuriose Exemplare vor: rotierende, gekrümmte, aufgeblähte und leere Universen sowie Pfannkuchen-, Blumenkohl- und Emmentaler-Universen. Er verfolgt die Idee des Multiversums bis zu ihren Wurzeln, zu den Thermodynamikern des 19. Jahrhunderts und weiter zu Pierre Laplace und Immanuel Kant. Und er lotet die Konsequenzen des neuen Weltbilds aus. Zum Beispiel hat im Multiversum jeder Mensch Doppelgänger in anderen Universen eine etwas unheimliche Vorstellung.
Das alles beschreibt Barrow in einem stets souveränen, oft witzigen Stil, wissenschaftlich präzise und ohne Scheu vor philosophischer Spekulation. Denn die Vorstellung eines Multiversums wirft schwierige philosophische Fragen auf zum Beispiel, ob es überhaupt in den Bereich der empirischen Wissenschaft gehört oder eher in die höheren Sphären der Metaphysik.
Wenn das Multiversum sich als wirklich erwiese, wäre der Perspektivenwechsel nicht weniger bedeutend als die kopernikanische Revolution. Von einer superkopernikanischen Revolution spricht der amerikanische Physiker Brian Greene. Und wie damals braucht es einige Zeit, bis sich die Ideen durchgesetzt haben. Man erkennt das auch an den Wörterbüchern. Manche von ihnen erlauben inzwischen die Pluralform Universen.
Tobias Hürter





