SPANNUNG PUR Eines Abends stellte mich mein Vater an ein Fenster im Wohnzimmer, blickte mit mir in den dunklen Himmel und erklärte: „Dort fliegt jetzt der Sputnik.” Ich sah nichts, war als Fünfjähriger gleichwohl begeistert: In meinem Kopf hatte die mit vier Stäben versehene silbrige Kugel einen wichtigen Platz eingenommen. Fasziniert war ich vor allem von den übers Radio verbreiteten Piepstönen des Satelliten und dem Wissen, dass sie vom Himmel kamen.
Die nächsten Schritte des Menschen in den Weltraum verfolgte ich mit Anteilnahme und Sympathie – vor allem für die Erfolge der Sowjetunion. So war ich sehr traurig, als Wladimir Komarow im April 1967 bei seiner Rückkunft aus dem Orbit starb. Er war der erste Raumfahrer, der den Flug ins All mit dem Leben bezahlte.
Zwei Jahre später dann der Triumph schlechthin: Die ersten Menschen auf dem Mond. Wichtig war, als Fernsehzuschauer dabei gewesen zu sein. Was für mich nicht ganz zutrifft: Der Ausstieg von Neil Armstrong wurde wieder und wieder verschoben. Eine knappe Stunde vor dem kleinen Schritt für den Menschen und dem großen für die Menschheit hatte ich mich für eine zu lange Weile hingelegt.
Die Resultate der Raumfahrt begeistern mich bis heute. Zugestanden: Man könnte das Geld vernünftiger anlegen – zumindest auf den ersten Blick. Doch ich bezweifle, dass wir im Kampf gegen Armut und Not auf der Welt erfolgreicher wären, hätten Amerikaner, Russen, Europäer, Chinesen, Japaner und Inder die Finger von der Raumfahrt gelassen. Was die Technik betrifft, wären wir ohne sie ärmer. Was die Faszination betrifft, ebenso. Das zeigt bereits ein Blick auf öffentliche Veranstaltungen: Selbst im raumfahrtkritischen Deutschland lockt ein Wissenschaftsastronaut mehr Publikum in Zelte und Hallen als jeder andere Vertreter der Wissenschaft.
Die Raumfahrt – bemannt oder unbemannt – ist ein Meilenstein menschlicher Kultur. Wir bieten Ihnen in diesem Heft einen Schwerpunkt an, damit Sie informiert sind, wenn sich am 4. Oktober 2007 der Start von Sputnik 1 zum 50. Mal jährt.





