Anders als die Ständerpilze besitzen die Pilze aus der Gruppe der Ascomyceten keine hutförmigen Fruchtkörper. Stattdessen bilden viele nur kleine Knöllchen an ihren Pilzfäden aus, wie beispielsweise die Wurzelpilze der Mykorrhiza. Andere Schlauchpilze wachsen im Holz von Bäumen und zerstören es. Auch Morcheln, Trüffeln, viele Schimmelpilze und die symbiotischen Pilze der Flechten gehören zu den Ascomyceten.
Ungewöhnlich große Fruchtkörper
Jetzt gibt es einen spektakulären Neuzugang zu den Ascomyceten: Forschende um Jing Song vom Kunming-Institut für Botanik haben in den Wäldern der chinesischen Provinz Yunnan einen Pilz entdeckt, der nicht nur eine neue Art darstellt, sondern sogar eine eigene, zuvor unbekannte Familie - schon dies ist extrem selten und spektakulär. Der Dianjunus rex getaufte Pilz wächst auf den Wurzeln von chinesischen Korkeichen und entwickelt fingerartige, teilweise verzweigte Fruchtkörper, die aus dem Unterholz herausragen.

Aufnahmen von aus den Wurzeln von Korkeichen sprießenden Fruchtkörpern von Dianjunus rex. — © Song et al./ Frontiers in Fungal Biology, CC-by 4.0
Einzigartig ist jedoch die Größe des neu entdeckten Pilzes: Die Fruchtkörper von Dianjunus rex werden bis zu 50 Zentimeter hoch und 2,2 Kilogramm schwer – ein neuer Rekord. „Damit besitzt D. rex die größten Fruchtkörper aller Ascomyceten“, berichten die Forschenden. Die bisher größten Fruchtkörper von Ascomyceten waren maximal 20 bis 30 Zentimeter groß. „Diese bemerkenswerte Art eröffnet uns damit ganz neue Einblicke in die Evolution extremer Körperformen von Pilzen“, erklärt Songs Kollege Indunil Senanayake.
Für einen Pilz wie Dianjunus rex bedeutet die Bildung so großer, schwerer Strukturen einen erheblichen Energieaufwand. Dennoch könnte sich diese Strategie für den Pilz lohnen: „Ein solcher Fruchtkörper ragt über die umgebende Vegetation im Unterholz hinaus und ermöglicht dadurch in dichten Wäldern eine bessere Sporenverbreitung mit dem Wind“, erklärt Senanayake. Die ökologischen Vorteile könnten daher die Kosten für solche Riesenfruchtkörper übertreffen.
Nutznießer des Massenaussterbens vor 65 Millionen Jahren
Ungewöhnlich ist jedoch auch der evolutionäre Ursprung dieses neu entdeckten Pilzes und seiner Dianjunaceae getauften Pilzfamilie. Mithilfe von DNA-Vergleichen fanden Song und seine Kollegen heraus, dass diese Stammeslinie der Pilze bis auf die Zeit vor 65 Millionen Jahren zurückgeht – weniger als eine Million Jahre nach dem Einschlag des Chicxulub-Asteroiden und dem katastrophalen Ende der Kreidezeit. Bei diesem Massenaussterben wurden die Dinosaurier und unzählige andere Pflanzen und Tierarten ausgelöscht.
Doch für Pilze schuf diese Katastrophe ein wahres Paradies: Durch die Brände, jahrelange Verdunklung des Himmels und einen Asteroidenwinter starben viele Pflanzen ab, ganze Wälder wurden vernichtet. „Dadurch gab es plötzlich enorme Mengen an totem Pflanzenmaterial“, erklärt Senanayake. „Für holzzersetzende Pilze eröffnet dies ganz neue ökologische Chancen.“ Die Vorfahren des Riesenpilzes Dianjunus rex könnten diese Chance ergriffen haben und sich zu dieser bis heute überlebenden Familie von Riesenpilzen entwickelt haben.

In Labor ausgekeimte Sporen von Dianjunus rex. — © Song et al./ Frontiers in Fungal Biology, CC-by 4.0
Erst der Anfang
Nach Ansicht der Forschenden unterstreicht diese Neuentdeckung, wie wenig wir bisher über die Vielfalt der Pilze gerade in Ostasien wissen. „In den Wäldern Südchinas könnte sich noch einiges an bisher unerkannter Pilzvielfalt verbergen“, sagt Senanayake. „Denn diese Region kombiniert außergewöhnlich verschiedenartige Habitate mit einem stabilen Klima und komplexen biotischen Interaktionen – alles Faktoren, die die Diversifikation von Pilzen fördern.“ Der Fund von D. rex sei daher wahrscheinlich erst der Anfang.
Quelle: Jing Song (Kunming Institute of Botany, Chiona) et al., Frontiers in Fungal Biology, 2026; doi: 10.3389/ffunb.2026.1940464





