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D-Day in Marokko
Archäologie

D-Day in Marokko

September 1925: ein spanischer Wachtposten an der Küste nach der Landung in der Bucht von Al Hoceïma. ullstein bild / Robert Sennecke

Fremdenlegionäre aller Länder, Kolonialtruppen aus Westafrika, deutsches Giftgas, internationale Unterstützer und Waffen, imperiale Kooperation: Der Rifkrieg in Nordmarokko war ein globales Ereignis, dessen Folgen bis in die Gegenwart reichen. Vor 100 Jahren bahnte sich sein Ende an.
Autor
Redaktion
17. April 2026
Lesezeit
12 Minuten
Rubrik
Archäologie
Fremdenlegionäre aller Länder, Kolonialtruppen aus Westafrika, deutsches Giftgas, internationale Unterstützer und Waffen, imperiale Kooperation: Der Rifkrieg in Nordmarokko war ein globales Ereignis, dessen Folgen bis in die Gegenwart reichen. Vor 100 Jahren bahnte sich sein Ende an.

Im September des Jahres 1925 watete Karl Tiede durch das Wasser und stürmte im Kugelhagel einen Strand an der nordmarokkanischen Mittelmeerküste. Vor ihm lagen die gegnerischen Stellungen, über ihm ratterten die Motoren von Propellermaschinen, hinter ihm donnerten die schweren Schiffsgeschütze einer spanisch-französischen Armada.

Die Landung in der malerischen Bucht von Al Hoceïma glich einem D-Day in Miniaturformat. Sie war ein Wendepunkt des von 1921 bis 1927 wütenden Rifkriegs, der mit größter Brutalität geführt wurde – und mit internationalen Waffen, deutschem Giftgas und Fremdenlegionären wie Tiede.

Tiede liebte und lebte den Weg der Gewalt. Wie zuvor in deutschen Diensten in Kamerun sammelte er in Marokko Auszeichnungen und Kopfschüsse. Hochgeschätzt von seinen Vorgesetzten, wie dem damaligen Legionskommandanten und späteren Diktator Franco, wurde er als erster Legionär zum Offizier befördert. Heute schmückt sein Porträt, samt spanischen Ehrenzeichen und deutschen Eisernen Kreuzen, das Museum der Legion in Ceuta.

Rund 4300 weitere Ausländer, darunter mehr als 900 Deutsche, kämpften im Rifkrieg in der spanischen Fremdenlegion. Ihr Ruf hallte vom östlichen Europa über Mittelmeer, Atlantik und Karibik bis an die amerikanische Ostküste und lockte in den 1920er Jahren Männer aus fast 50 Nationen in einen Krieg, der nicht der ihre war.

Ein internationales Proletariat kämpft im Kolonialkrieg

Die Hintergründe der Anwerbungen waren teils obskur und skurril. Deutsche beklagten die Machenschaften im Möbelgeschäft eines als „Dämon“ oder „Judas“ verunglimpften Dr. Amoros in Hamburg, der sie mit Teufelszungen in die Legion gelockt habe. Einzelne gaben später zu Protokoll, vor der eigenen Ehefrau geflohen zu sein. Ein französischer Student machte sich nach einer Séance in Straßburg auf Schatzsuche und blieb wochenlang verschollen, bis er sich überraschend aus der Legion meldete.

Unter der Gesamtheit der fremden Legionäre waren sie jedoch ebenso exotische Einzelfälle wie der gewaltaffine Tiede. Die Mehrheit unter ihnen betrachtete das Kriegshandwerk als Beruf und nicht als Berufung – so auch der Schweizer Albert Huber. Nachdem er mehrere Wochen lang auf der Suche nach Arbeit die Straßen Zürichs durchstreift hatte, erlag er Ende 1920 den monetären Verlockungen der kurz zuvor gegründeten Legion und flüchtete aus Armut vor dem einbrechenden Winter.

Abgesehen von der Enttäuschung über falsche Lohnversprechungen war Hubers Anfangszeit in der Legion beschaulich. Er gewann als Schützenkönig Anerkennung und Peseten, auch das Weihnachtsfest musste er im fernen Marokko nicht missen: Versammelt um einen selbst gebastelten Weihnachtsbaum, feierten die deutschsprachigen Legionäre singend und trinkend bis in die späten Heiligabendstunden.

Nur wenige Tage später kippte Hubers Stimmung jedoch. Mit Abscheu berichtet er später darüber, wie ein deutscher Legionär am Neujahrstag zunächst das Erbrochene seiner Vorgesetzten beseitigen sollte und aufgrund seiner Renitenz willkürlich erschossen wurde.

Diese Anekdote ist nur eine von zahlreichen Schauergeschichten, die in etlichen Sprachen überliefert sind. Wie in vielen weiteren Fällen war die willkürlich-sadistische Disziplinargewalt auch beim Schweizer ein Grund zur Desertion – die ihn geradewegs in die Arme der Rebellen trieb.

Nach nur wenigen Wochen als Kolonialsoldat kämpfte er nun aufseiten der Aufständischen und verbrachte fast zwei Jahre unter ihnen, half bei der Garten- und Feldarbeit und spielte mit Kindern am Strand. Zunächst aber schlitterte er mit seiner Flucht mitten in eine Horrorshow, die in Spanien als das „Desaster von Annual“ bekannt werden sollte.

Vom Kolonialtraum zum Fiasko: Spaniens Offensive in Nordmarokko endet im „Desaster von Annual“

Die Vorgeschichte des „Desasters“ reicht bis ins Jahr 1909 zurück. Mit einem Überfall auf spanische Eisenbahnarbeiter im Umland der in Nordmarokko gelegenen spanischen Exklave Melilla begann in diesem Jahr ein brutaler Kolonialkrieg, der fast zwei Jahrzehnte andauern sollte.

Das spanische Vietnam in den Bergen Marokkos kostete den spanischen Staat in den Folgejahren, so ein zeitgenössischer Kritiker, „Millionen und Millionen und Leben und Leben“. Der Krieg war einerseits von der Gier getrieben, vom sagenumwobenen Rohstoffreichtum der Berge; andererseits vor allem von der Angst vor einer französischen Präsenz in Nordmarokko, die als bedrohliche Einkreisung durch den mächtigen Nachbarn jenseits der Pyrenäen wahrgenommen wurde.

Nachdem Frankreich zuvor den Großteil Marokkos unterworfen hatte, wurde das Land 1912 vertraglich aufgeteilt. Spanien wurde offiziell zum kolonialen Juniorpartner, der bergige Norden zum Protektorat Spanisch-Marokko. Das Vorhaben, das primär auf dem Papier existierende Gebilde 1921 durch eine Militäroperation auch faktisch zu beherrschen, sollte im Fiasko enden.

Die Szenen, die sich im Spätsommer des Jahres westlich von Melilla abspielten, waren apokalyptisch. Was als Offensive in das Herz des Rifs begonnen hatte, mündete im kompletten Zusammenbruch einer Armee und einer heillos chaotischen Flucht.

Der Weg von der Frontstellung Annual bis vor die Tore Melillas war übersät mit zurückgelassenen Fuhrwerken, Geschützen und Leichen. Überlebende Soldaten und flüchtende Zivilisten strömten in die Stadt, spanische Flieger sahen vom Himmel aus die in Flammen stehenden Positionen in den Bergen. Innerhalb von drei Wochen fanden etwa 10 000 spanische Soldaten den Tod, teils massakriert und grässlich verstümmelt.

Mitten in diesem Gemetzel erlebte der Schweizer Huber das Grauen mit eigenen Augen. Seine Schilderungen über das Sammeln von Augen oder das Abtrennen von Körperteilen sind schwer zu ertragen – so wie eigentlich alle Zeugnisse des Krieges. Was in Annual geschah, war ein Menetekel dessen, was noch kommen sollte.

Blutiger Alltag: verstümmeln, enthaupten, niederbrennen

„Die Kriegführung ist grausam“, so schrieb etwa ein deutscher Legionär 1924 in einem Brief an seine Schwester, „was dem Feind in die Finger gerät wird auf grausamste Art und Weise dahingemordet, das heißt unsere machen es mit dem Feinde genau so.“

Was genau das heißt, lässt sich den Vernehmungsprotokollen zurückgekehrter Legionäre entnehmen. Gelegentlich entwickelten sich die routinemäßigen Befragungen unverhofft zu Splattergeschichten, wenn etwa zu lesen ist, wie Legionäre ohne Zehen und Ohren aufgefunden oder schreiende Gegner enthauptet werden. Im Schatten dieser Gewaltorgien gehörten auch Plünderungen und das Anzünden ganzer Dörfer zum normalen Alltag des Krieges.

Er wurde nicht nur mit Feuer und Bajonett, sondern auch aus kalter Höhe geführt. Nachdem Italien im Jahr 1911 in Libyen das Zeitalter der modernen Luftkriegsführung eröffnet hatte, zählte das vermeintlich rückschrittliche Spanien seit 1913 zu den Vorreitern und setzte Flugzeuge aus fünf verschiedenen Ländern ein, dazu auch deutsche Bomben und Zieloptiken.

Wie das Britische Empire im Irak und das faschistische Italien in Äthiopien schreckte man vor dem Einsatz von Giftgas nicht zurück, das in diesem Fall aus deutschen Beständen geliefert oder mit deutscher Hilfe hergestellt wurde. Eine Schlüsselfigur hierbei war der Chemiker Hugo Stoltzenberg, dessen Überlegungen zum Giftgaseinsatz in spanischen Ministerien zirkulierten.

1923 traf Stoltzenberg den spanischen König Alfons XIII., der im Rif die jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung am Werke sah und den Einsatz von Giftgas von oberster Stelle absegnete. Der erste Pornofilmproduzent des Landes wurde somit auch zum Pionier der chemischen Kriegsführung.

Das im Rif eingesetzte Senfgas konnte Hautverbrennungen, Blindheit und Übelkeit verursachen, das Verdauungssystem schädigen und zum Tode führen. Die Effekte waren umso stärker, da weder Schutzmittel noch Medikamente gegen den geruchlosen wie unsichtbaren Kampfstoff vorhanden waren.

Die Siedlungen, Märkte und Felder des Rifs wurden schon über ein Jahrzehnt vor Guernica zu Zielen des mit chemischen und konventionellen Bomben geführten „strategischen Luftkrieges“. Soziale und wirtschaftliche Tätigkeiten wurden in die Nacht verlegt. Wie heutzutage in Kyjiw flüchtete die Bevölkerung unter die Erde – statt U-Bahn-Stationen waren es natürliche Höhlen, die Schutz boten.

Neben den Vorboten des terror bombing hatte die Bevölkerung vor allem mit dem Hunger zu kämpfen, der sich durch gezielte Angriffe auf Felder und Viehherden sowie durch Missernten und eine gezielte Blockade immer weiter ausbreitete – und durch Mangelernährung eine starke Zunahme der Infektionskrankheiten verursachte.

Das Leiden der Bevölkerung ist nicht in Zahlen zu fassen, wurde aber von Walter Harris, einem der wenigen Reporter vor Ort, eindrücklich beschrieben: „Das Rif war vom Krieg, von Krankheiten und vom Hunger verwüstet worden. In fast allen Dörfern lagen die Verwundeten ohne Behandlung und ohne Medikamente – mit nichts, was ihr Leiden oder ihre Schmerzen lindern konnte, außer den sehr primitiven Heilmitteln des Landes.“

Abd el-Krim oder der Aufstieg einer globalen Ikone

All dieses Elend war 1921 noch nicht zu erahnen. Während Spanien um die Toten des Desasters trauerte und auf Rache sann, wurden die siegreichen Rifrebellen und ihr Anführer Abd el-Krim zu globalen Ikonen des antiimperialen Freiheitskampfes.

Am Anfang sprach nicht viel für Abd el-Krims kometenhaften Aufstieg. Sein Vater gehörte zur spanienfreundlichen Fraktion innerhalb des Stammes, sein Bruder studierte Bergbau in Madrid. Auch Abd el-Krim erhoffte sich zunächst noch eine Modernisierung des Rifs durch spanische Herrschaft.

Erst als sich diese Erwartungen nicht erfüllten, schwang er sich zum Anführer der Rebellion auf – zu dem Mann, dem es erstmals gelang, eine Mehrheit der Clans und Stämme Nordmarokkos unter dem Banner der Unabhängigkeit zu vereinen. Nachdem die Flamme der Rebellion nicht auf ganz Marokko übersprang, proklamierte er 1923 die Rif-Republik.

Abd el-Krim bediente sich bei seiner Staatsbildung nicht nur der nackten Gewalt und des aus militärischen Siegen erwachsenen Charismas. Er setzte auch auf Straßenbau und Reformen, ließ Telefonleitungen verlegen und schuf eine eigene Währung sowie eine eigene Flagge als Symbol der Rif-Republik.

Hierbei halfen ihm über 150 Deserteure, die nach ihrer Flucht aus der französischen oder spanischen Fremdenlegion aufseiten der Aufständischen kämpften. Mit ihrem Fachwissen wurden sie etwa als Funker oder Ausbilder an Maschinengewehren und erbeuteten Artilleriegeschützen eingesetzt.

Zu ihnen zählte der Deutsche Kurt Degenkolbe. Nach seiner Flucht aus der spanischen Fremdenlegion wurde er in den Dörfern wahlweise mit Gastfreundschaft oder Steinwürfen empfangen, genehmigte sich „hier und da eine Pfeife Kiffi“ und diente mehrere Monate im Hauptquartier Abd el-Krims. Zurück in der Heimat brachte er 1928 seine Story „Vom Schusterjungen zum Adjutanten Abd el Krims“ zu Papier.

Der bekannteste unter Abd el-Krims „Legionären“ war, wie die Legionsikone Tiede, ein Deutscher. Josef Klems hatte nach seiner Flucht aus der französischen Fremdenlegion in den Reihen der Rebellen Karriere gemacht und war als Kommandeur und Berater an der Planung militärischer Operationen beteiligt. Wie der von Sean Connery gespielte Warlord el-Raisuli aus der Frühphase des Kolonialkriegs wurde er in den 1970er Jahren, als Il sergente Klems, zur Hauptfigur des gleichnamigen Abenteuerfilms.

Neben Deserteuren konnten die Rifrebellen auf ein weltweites Netz an Unterstützern zählen. Sympathisanten und Schmuggler versorgten das Rif mit Gewehren, Munition und dringend benötigten Medikamenten. Sogar ein ganzes Flugzeug schlich sich über die algerische Grenze in das Rif.

In London wurde ein Hilfskomitee gegründet, von Deutschland aus desertierten marokkanische Besatzungssoldaten in die Heimat, in den cafés maures der maghrebinischen Kolonialarbeiter in Paris war der Krieg Tagesgespräch.

Auch jenseits des Atlantiks wurde der Unabhängigkeitskampf zum Thema: Während Spanien auf Kuba für seine Legion rekrutierte, verglichen Abd el-Krim und seine Emissäre ihren Kampf gegen die Kolonialmacht mit den Unabhängigkeitskriegen Lateinamerikas.

Das Jahr 1925 wurde zeitgleich zum Höhepunkt wie zum Wendepunkt der Karriere Abd el-Krims. Nachdem seine Truppen im April des Jahres die Grenzposten zu Französisch-Marokko überrannt hatten, folgte im August die Apotheose Abd el-Krims zur globalen Ikone des Antiimperialismus, zum Che Guevara seiner Epoche, als er auf das Cover des „Time Magazine“ gelangte.

Der dramatische Untergang der Rifrebellen

Die minutiös geplante Operation, an deren Vorbereitung und Durchführung auch Klems beteiligt war, wirkte zunächst noch wie ein neues Annual, als nun die französischen Stellungen wie Dominosteine fielen. Doch alles sollte anders kommen. Die einander bis dato missmutig beäugenden Kolonialmächte fanden sich durch die gemeinsame Bedrohung jetzt in einer kooperativen Zwangsgemeinschaft wieder.

Die dadurch effektivere Blockade verschlimmerte die dramatische Versorgungslage. Zudem sahen sich die Rifrebellen nun einer deutlichen Übermacht gegenüber und kämpften einen Krieg an allen Fronten. Frankreich setzte Truppen aus Algerien und die in seinen westafrikanischen Kolonien zwangsrekrutierten tirailleurs sénégalais ein. Neben der spanischen wurde jetzt auch die französische Fremdenlegion in die Berge des Rifs geschickt. Sie bestand etwa zur Hälfte aus Deutschen, die jetzt für alle drei Kriegsparteien kämpften. Das Gesamtaufgebot an Truppen aus aller Welt, das Frankreich und Spanien ins Feld führten, belief sich auf fast zwei Drittel der damaligen Gesamtbevölkerung Nordmarokkos.

Von allen Seiten umzingelt, numerisch und waffentechnisch unterlegen und mit einer unter Hunger und Luftangriffen leidenden Bevölkerung war das Ende nur eine Frage der Zeit. Nach der Landung von Al Hoceïma, dem Stoß ins Herz der Rif-Republik, ergab sich Abd el-Krim 1926 französischen Truppen und ließ die spanischen Rachegelüste damit ins Leere laufen. Erst ein Jahr später sollte der letzte Widerstand gebrochen werden.

Der Rifkrieg und sein langer Schatten

Zu seiner Zeit schlug der Krieg weltweit Wellen. In Deutschland reichte er über die Legionäre in spanischen Diensten bis in einzelne Familien hinein, die den Tod von Vätern, Brüdern, Söhnen oder Ehemännern betrauerten oder sich für deren Entlassung einsetzten. Wie in Großbritannien wurde das Schicksal der Legionäre zum Politikum und Medienspektakel.

Viele von ihnen waren für ihr Leben körperlich oder seelisch gezeichnet. Bei dem Italiener Carrara führte die Gewalterfahrung etwa zum radikalen Sinneswandel. Immer noch mit Karabiner und Handgranaten, aber diesmal im Auftrag Gottes, widmete er sein restliches Leben der Missionsarbeit in Äthiopien und Mosambik.

Auf Kuba wurde der spanische Bürgerkriegsexilant Alberto Bayo, der als Legionär die Taktiken der Rifrebellen studiert hatte, zum Mentor von Fidel Castro und Che Guevara. In Ostasien sollten sich Ho Chi Minh und Mao zu Schülern der Guerillapraktiken Abd el-Krims erklären.

In Spanien führte der Rifkrieg über die 1936 putschende Kolonialarmee in den Bürgerkrieg. Franco konnte bei seinem Aufstieg zum Diktator auf die Unterstützung „seiner“ Legion zählen, die den Kolonialkrieg und seine Gräueltaten in die Heimat trug. Verantwortlich hierfür waren Männer wie der inzwischen eingebürgerte und mit einer Spanierin verheiratete Tiede. Sein gewaltsames Leben endete, als er bei der Schlacht um Madrid tödlich verwundet wurde. Bei seinem feierlichen Leichenzug wurde ihm als „legionario número uno“ gehuldigt, ehe sein Leichnam zu seiner letzten Ruhestätte nach Ceuta aufbrach.

Am deutlichsten waren die Auswirkungen des Krieges in Nordmarokko zu spüren, wo die Überreste der Toten begraben liegen. Aufgrund der dürren Quellenlage ist die genaue Zahl der Opfer bisher unbekannt. Dies gilt insbesondere für die marokkanischen Zivilisten, von denen, groben Schätzungen zufolge, etwa 100 000 durch Massaker, Luftangriffe und Giftgas oder infolge von Hunger und Epidemien ums Leben kamen.

Obwohl der Norden Marokkos bis heute eine signifikant höhere Zahl an Krebserkrankungen aufweist als der Rest des Landes, wurde der Zusammenhang zum weitverbreiteten Giftgaseinsatz nie ausreichend untersucht. Während die Schatten des Rifkriegs bis in die Gegenwart reichen und die Flagge der Rif-Republik, die zum Symbol der regionalen Berberidentität wurde, auf lokalen Protestkundgebungen geschwenkt wird, ist die Geschichte dieses fast vergessenen Konflikts in allen beteiligten Ländern bis heute nicht aufgearbeitet worden.

Autor: Jannis Girgsdies

ist Historiker. In seiner Dissertation hat er die Kolonialkriegserfahrungen der internationalen Mitglieder der spanischen Fremdenlegion von 1920 bis 1936 rekonstruiert.

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