Im Vergleich zu den gewaltigen Supernovae und den geheimnisvollen Gammablitzen sind sogenannte Novae der unspektakulärste Typ kosmischer Explosionen. Doch die ersten Beobachtungen einer solchen Erscheinung mit dem Röntgenteleskop Chandra haben eine unerwartete Dynamik enthüllt.
Im Sternbild Aquila (Adler) erschien im November 1999 ein neuer Stern – eine Nova. In Wirklichkeit handelte es sich um einen vorher unsichtbaren, alternden weissen Zwerg, der von seinem Partnerstern soviel Wasserstoff weggesaugt hatte, dass die Gashülle explodierte. Alle 100.000 Jahre erschüttert eine solche Eruption den Stern, der dabei nicht in Stücke gerissen wird, wie es bei den stärkeren Supernovae geschieht.
Bei der Explosion gab der 6.000 Lichtjahre entfernte Stern 100.000 mal soviel Energie ab wie die Sonne. Sumner Starrfield von der Arizona State University beobachtete Nova Aquila von April bis Oktober 2000 mit dem Weltrauobservatorium Chandra und stellte fest, dass die Röntgenstrahlung der Nova in einem Rhythmus von 40 Minuten pulsiert – ein bisher unbekanntes Phänomen.
Wie Starrfield vergangene Woche auf einem Symposium in Washington D.C. berichtete, vermuten er und seine Kollegen, dass sich die äußere Hülle des Sterns mit dieser Periode aufbläht und zusammenzieht. Außerdem bemerkten die Forscher, dass die Explosion auch acht Monate nach der Entdeckung der Nova noch nicht zu Ende war: Zu diesem Zeitpunkt erhöhte sich die Strahlung für eine Viertelstunde plötzlich um das sechsfache. Möglicherweise lief dieser Temperamentsausbruch ähnlich ab wie so genannte Flares auf der Sonne, bei denen verdrehte Magnetfeldlinien eine wichtige Rolle spielen.
Als nächstes planen Starrfield und seine Kollegen, die chemische Zusammensetzung der Explosionswolke genauer zu analysieren. Novae sind nach Meinung vieler Experten für einen großen Teil der Aluminium- und Stickstoff-Produktion im Universum verantwortlich.
Ute Kehse





