Amerikanische Wissenschaftler haben in einem hundert Millionen Jahre alten Bernstein das Fossil eines Pilzes entdeckt. Der Fund ist das älteste bisher bekannte Relikt aus der Ordnung der Blätterpilze, zu der unter anderem auch der Champignon gehört. Auf dem Pilz entdeckten die Wissenschaftler zudem die Überreste eines parasitisch lebenden Pilzes ? der wiederum selbst von einem Parasiten befallen war.
Entdeckt hat die ungewöhnliche Lebensgemeinschaft aus der Zeit der Dinosaurier der amerikanische Amateursammler Ron Buckley, der in den vergangenen Jahren bereits 20.000 Bernsteinstücke gesichtet hatte. Buckley richtet bei seinen Untersuchungen sein Augenmerk besonders auf in das Urzeitharz eingeschlossene Tiere oder Pflanzen und stieß so auf den von Parasiten befallenen Pilz. Seine Entdeckung sandte Buckley an den Bernsteinspezialisten George Poinar von der Staatsuniversität von Oregon in Corvallis, der den Fund mit wissenschaftlichen Methoden näher untersuchte.
Das Harz, aus dem der in Asien entdeckte Bernstein entstanden war, stammt wohl von einem Araukariengewächs, wies Poinar in seinen Tests nach. Diese Nadelbaumfamilie war auf dem Urkontinent Gondwana weitverbreitet und ist heute noch mit zahlreichen Arten auf der Südhalbkugel der Erde vertreten. Zu den bekanntesten Mitgliedern der Familie gehören die unter anderem in Australien und Neuseeland beheimateten Kauri-Bäume. Poinar vermutet daher, dass der Pilz einer ähnlichen Landschaft entstammt, wie sie heute im Norden Neuseelands zu finden ist. Zudem entdeckte Poinar die Spuren eines parasitischen Pilzes, der sich auf der Kappe des Blätterpilzes niedergelassen hatte, und auf dem sich wiederum Fasern eines Pilzes fanden, der von den Nährstoffen des Parasiten lebte.
Der Fund bestätigt die Aussagen von Wissenschaftlern, die mittels Erbgutanalysen moderner Blätterpilze berechnet haben, dass solche Pilze bereits vor über hundert Millionen Jahren auf der Erde verbreitet waren. Weitere Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte der Pilze könnte nun eine Analyse des Erbguts des versteinerten Pilzes bringen. Doch dazu müsste der Stein geöffnet und DNA aus dem Pilz entfernt werden ? ein riskantes Verfahren, bei dem die Probe leicht zerstört werden könnte. Angesichts der Seltenheit des Fundes wollen sich die Forscher daher weiterhin auf die Untersuchung von außen beschränken.
Nature Onlinedienst, DOI 10.1038/news070611-1 Originalarbeit der Forscher: Mycological Research, Bd. 111, S. 503 ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





