Wenn wir Menschen Kriege führen, geht es oft um ökonomische Interessen, unterschiedliche politische und religiöse Ideale oder kulturelle und sprachliche Klüfte. Dabei fördern die unterschiedlichen Selbstverständnisse der Gruppen sowohl den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft als auch die Feindseligkeit gegen Außenstehende. Doch auch innerhalb ehemals geeinter Gesellschaften kann es zur Spaltung bis hin zum Bürgerkrieg kommen. In diesem Fall greift die Hypothese von unterschiedlichen Gruppenidentitäten als Auslöser zu kurz. „Ein alternatives Modell legt nahe, dass sich wandelnde zwischenmenschliche Bindungen und lokale Rivalitäten ausreichen, um Gruppen zu spalten und kollektive Gewalt zu erzeugen, unabhängig von kulturellen Merkmalen“, erklärt ein Team um Aaron Sandel von der University of Texas in Austin.
Bei Schimpansen haben Sandel und seine Kollegen nun einen außergewöhnlichen Krieg beobachtet, der diese zweite Hypothese stützt. Normalerweise verteidigen Schimpansen ihr Revier gegen Außenstehende, halten aber innerhalb ihrer Gruppe zusammen. Doch in Ngogo im Kibale-Nationalpark in Uganda hat sich eine riesige Schimpansengesellschaft in zwei Teile aufgespalten, die einander erbittert bekämpfen. Bereits seit 1995 beobachten Forschende die Ngogo-Schimpansen und auch die 2023 veröffentlichte Netflix-Dokumentationsserie Chimp Empire hat diese Gruppe porträtiert.

Der große Bruch
Um die sozialen Dynamiken zu ergründen, die hinter der Spaltung und den folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen standen, haben Sandel und sein Team Verhaltensbeobachtungen und demografische Daten aus 30 Jahren ausgewertet und soziale Netzwerkanalysen erstellt. Demnach bildeten die Tiere über zwei Jahrzehnte hinweg zwar immer wieder wechselnde Untergruppen, pflanzten sich aber alle untereinander fort, verteidigten gemeinsam ihr Revier und vereinten sich zu wechselnden Allianzen. Erste Anzeichen einer Spaltung in eine westliche und eine zentrale Gruppe zeigten sich jedoch, nachdem 2014 mehrere erwachsene Männchen und ein Weibchen verstorben waren und es 2015 zu einem Wechsel des Alpha-Männchens gekommen war.
Das neue Alpha-Männchen stammte ursprünglich aus einer Allianz von Männchen, die später die westliche Gruppe bildeten, schloss sich aber, als es in der Hierarchie aufstieg, der zentralen Gruppe an. Es kam zu einem Bruch der ehemals geeinten Schimpansenpopulation. Nur wenige Tiere hielten ab da noch den Kontakt zwischen beiden Gruppen aufrecht. Eines der letzten dieser verbindenden Individuen starb 2017 an einer Krankheit. Bis 2018 hatte sich diese Spaltung so weit gefestigt, dass aus der ehemals geeinten Gesellschaft zwei unterschiedliche Gruppen entstanden waren, die sich gegenseitig aus dem Weg gingen und sich nicht mehr miteinander fortpflanzten.





