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Buchhaltung des Lebens
Archäologie

Buchhaltung des Lebens

Wappen der Familie Rem (Augsburger Chronik, 1457). Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, 2 Cod H 1, S. 251

Lucas Rem entstammte einer einflussreichen Augsburger Patrizierfamilie. Bekannt ist der viel gereiste Kaufmann heute vor allem als Chronist seines Alltags: Von 1494 bis kurz vor seinem Tod führte er eine Art kaufmännisches Tagebuch, das zu den viel zitierten Selbstzeugnissen der Frühen Neuzeit zählt.
Autor
Redaktion
17. April 2026
Lesezeit
1 Minute
Rubrik
Archäologie
Über fast 50 Jahre hinweg dokumentierte der Augsburger Kaufmann Lucas Rem (1481–1541) sein Leben. Eine Edition macht die Aufzeichnungen zugänglich.

Der Literaturwissenschaftler Christian Kiening hat nun eine Edition vorgelegt, die dem Originalmanuskript eng folgt. Einleitung, Übersetzung und Anhänge erschließen den Text und machen Rems Aufzeichnungen, die heute in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg aufbewahrt werden, auch für ein breiteres Publikum zugänglich.

Rems Lebensweg, der sich weitgehend anhand seiner eigenen Notizen rekonstruieren lässt, führt quer durch Europas Handelszentren. Mit 13 Jahren begann er seine Ausbildung bei den Welsern. Nach Lehrjahren in Venedig arbeitete er als Faktor der Welser-Vöhlin-Gesellschaft in der Buchführung, zunächst in Lyon, dann in Lissabon, später erneut in Lyon und seit 1511 in Antwerpen. Dienstreisen führten ihn zum Wareneinkauf, zur Schuldeneintreibung oder zur Buchprüfung auch nach Savoyen, Paris und in die Schweiz. Nach Streitigkeiten trat Rem schließlich aus der welserschen Faktorei aus und gründete 1518 seine eigene Gesellschaft mit Faktoreien in Köln und Antwerpen.

Rems knappe Einträge geben vor allem nüchterne Einblicke in die Geschäftsführung und das Selbstverständnis eines Kaufmanns um 1500. Neben geschäftlichen Bilanzen eröffnen die Aufzeichnungen aber auch persönlichere Perspektiven, wenngleich auch hier die Kosten – etwa für Hochzeiten oder die Ausbildung der Kinder – immer sorgfältig dokumentiert sind. So schreibt Rem über seinen unehelichen Sohn Jacob: „Summa hat er sich immer und überall in schlimmster Weise aufgeführt und mich, seit er seiner Mutter weggenommen wurde, über 280fl [Gulden] gekostet.“

Wer sich dafür interessiert, wie ein Kaufmann zu Beginn des 16. Jahrhunderts dachte, reiste und rechnete, findet hier eine ergiebige Quelle, die vielfältige Aspekte berührt.

Autorin: Dr. Anna Joisten

Literatur

Christian Kiening (Hrsg.), Lucas Rem. Bilanzen des Lebens (1481–1541). Basel 2025.

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