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Bronzezeitlicher Ausnahmefund beim Windanlagen-Bau
Archäologie

Bronzezeitlicher Ausnahmefund beim Windanlagen-Bau

Diese Bronzezeit-Schmuckstücke sind Teil eines bei Wolfenbüttel gemachten Depotfunds. · Foto: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege/ C. Wehrstedt

Bei vielen Bauprojekten wird das Gelände im Vorfeld nach archäologischen Funden durchsucht – so auch bei Windanlagen-Projekten der Nähe von Wolfenbüttel in Niedersachen. Dabei stießen Archäologen nicht nur auf jungsteinzeitliche Gebäudereste, sondern auch auf einen Ausnahmefund: ein Depot bronzezeitlicher…
Autor
Redaktion
14. April 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Archäologie

Als Bauunternehmen der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Wolfenbüttel den geplanten Bau von zwei Windanlagen bei Ahlum und Dettum meldeten, prüfte die Behörde wie üblich, ob dadurch möglicherweise archäologische Relikte geschädigt werden könnten. Dabei fiel auf, dass im unmittelbaren Baugebiet zwar keine archäologischen Fundstellen bekannt waren, es aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für bisher unbekannte Fundstellen gab. Daher beauflagte das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege eine archäologische Untersuchung, in deren Rahmen rund 92.780 Quadratmeter Fläche archäologisch geprüft wurden.

Blockbergung
Archäologen bei der Blockbergung des Bronzezeitdepots. © Arcontor Projekt GmbH

Steinzeitgebäude und Bronzezeitschatz

Die Archäologen wurden tatsächlich fündig: Auf dem Baugelände identifizierten sie insgesamt 412 Artefakte und Fundstücke aus verschiedenen geschichtlichen Epochen – von der Jungsteinzeit bis in die Spätantike. Im Süden des Untersuchungsgebietes stieß das Team auf zwei gut erhaltene Hausgrundrisse der Linearbandkeramiker aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus. Dabei handelt es sich um die erste bäuerliche Kultur in Niedersachsen. Die Gebäudereste und assoziierte Funde liefern nun Einblick in diese Frühphase der Besiedlung dieser Region, wie das Landesamt mitteilt.

Noch bedeutender ist jedoch ein zufällig bei den Bauarbeiten gemachter Fund: Bei ersten Baggerarbeiten zeigten sich in einem anderen Gebiet eng beieinander liegende Objekte aus Bronze und Bernstein. Die Archäologen des Landesamts führten daraufhin eine Blockbergung durch, bei der sie die Funde mitsamt dem umliegenden Erdreich aushoben und ins Labor transportierten. Dort begannen sie dann, unter kontrollierten Bedingungen die einzelnen Artefakte aus dem Erdreich freizupräparieren. Zum Vorschein kam der „wohl bedeutendste Fundkomplex der Grabung“, so das Landesamt.

Halsreifen, Armspiralen und eine Bernsteinkette

Der Fund besteht aus einem Depot von bronzezeitlichem Schmuck aus der Zeit um 1500 und 1300 vor Christus. Für das Nordharzvorland ist dies der erste bronzezeitliche Depotfund seit 1967 und der einzige, der nach modernen wissenschaftlichen Standards ausgegraben wurde, wie die Archäologen erklären. Der Schmuck stammte von mindestens drei hochrangigen Frauen und wurde möglicherweise als religiöse Opfergabe vergraben. Unter den Schmuckstücken sind verzierte Halsreifen, Armspiralen und Schmuckbleche aus Bronze sowie mindestens zwei Scheibennadeln.

Herausragend und bislang einzigartig ist jedoch eine Halskette aus mehr als 156 Bernsteinperlen. Sie ist der bisher größte Einzelfund von bronzezeitlichem Bernstein in Niedersachsen, so das Landesamt. Bernstein wurde in der Jungsteinzeit und Bronzezeit vor allem an den Ostseeküsten Skandinaviens und des Baltikums gesammelt. Das organische Material war wegen seiner „sonnigen“ Farbe und Transparenz in vielen Kulturen hochbegehrt und wurde über Fernhandelsnetze bis in den Mittelmeerraum und darüber hinaus gehandelt. Meist konnten sich dort nur Angehörige der politischen und religiösen Eliten Schmuck aus importiertem Bernstein leisten. Woher genau die Bernsteinperlen der jetzt im Harzvorland entdeckten Halskette stammen, muss noch ermittelt werden. Die Analysen der fragilen Funde haben gerade erst begonnen, wie das Landesamt mitteilt.

KNochenkamm
Knochenkamm mit Bronzenieten aus der Spätantike. © Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege/ T. Uhlig

Funde auch aus der Spätantike

Auf den Flächen der geplanten Windkraftanlagen entdeckten die Archäologen auch einige Siedlungsüberreste und Funde aus der Antike und Spätantike. Unter diesen sind einige Gruben mit offenbar bewusst zusammengestellten Ensembles aus bestatteten Hunden, nach römischem Vorbild hergestellter Drehscheibenkeramik und Metallobjekten. Ein besonderes Highlight sei dabei ein nahezu komplett erhaltener sogenannter Dreilagenkamm aus dem vierten oder fünften Jahrhundert, der mit Kreisaugen und Bronzenieten verziert ist. Entsprechende Kämme sind als Grabbeigaben aus jener Zeit bekannt, blieben wegen der damals üblichen Totenverbrennung aber nur selten intakt erhalten.

Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege

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