Braune Zwerge entstehen wahrscheinlich auf die gleiche Weise wie Sterne ? inmitten einer Wolke aus Gas und Staub, die sich allmählich verdichtet. Das berichtete der Forscher Kevin Luhman vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics jetzt auf einer Konferenz in Hamburg.
Luhmans Ergebnisse widersprechen einer Theorie, der zufolge Braune Zwerge “Saatkörner” von Sternen sind, die durch die Schwerkraft heranwachsender Sterne aus interstellaren Wolken heraus geschleudert werden. Denn die zwei Baby-Zwerge, die Luhman mit dem 6.5-Meter-Magellan-Teleskop am Las Campanas Observatorium in Chile im Sternbild Chamäleon entdeckte, sind extrem weit voneinander entfernt. Die beiden Braunen Zwerge, die mit einem geschätzten Alter von einer Million Jahre sozusagen gerade erst geboren sind, umkreisen einander in einem Abstand von 36 Milliarden Kilometern, das entspricht dem Sechsfachen der Entfernung zwischen der Sonne und dem äußersten Planeten Pluto.
“Allein die Existenz dieses Paars belegt, dass die beiden Sterne niemals heftigen Gravitationskräften ausgesetzt waren, wie sie aufgetreten wären, wenn es sich um ausgestoßene Saatkörner handeln würde”, meint Luhmann. “Es ist eher wahrscheinlich, dass diese Braunen Zwerge auf die gleiche Art wie Sterne entstanden sind, in einer ruhigen und ungestörten Umgebung.”
Bei seiner Untersuchung, die der Forscher demnächst in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal veröffentlichen wird, konzentrierte sich Luhmann auf relativ junge Braune Zwerge, weil diese wegen ihrer hohen Temperaturen noch ziemlich hell sind. Je älter Braune Zwerge werden, desto dunkler und schwerer zu entdecken sind sie, da anders als bei Sternen in ihrem Innern keine Kernfusion stattfindet.
Seit ihrer Entdeckung Mitte der 90er Jahre rätseln Astronomen, ob Braune Zwerge eher zu den Planeten oder zu den Sternen oder zu keiner der beiden Kategorien zählen. Nach Luhmans Entdeckung sagt Alan Boss von der Carnegie Institution: “Sie sind es wert, Sterne genannt zu werden, auch wenn ihre Masse zu gering ist, um dauerhaft Kernfusion aufrecht zu erhalten.”
Ute Kehse





