Braunbären haben sich schon viel früher auf dem nordamerikanischen Kontinent ausgebreitet als bislang angenommen: Der Fund eines 25.000 Jahre alten Schädelteils bei Edmonton in der kanadischen Provinz Alberta widerspricht der bisherigen Theorie, nach der Gletschermassen bis vor 12.000 bis 13.000 Jahren die Wanderung in zentrale Landesteile verhinderten. Über die Entdeckung berichten Paul Matheus von der Universität von Alaska in Fairbanks und seine Kollegen im Fachmagazin Science (Bd. 306, 12. November).
Braunbären (Ursus arctos) kamen vor 100.000 bis 50.000 Jahren von Asien über die damals trockene Bering-Straße nach Alaska und in die heutige kanadische Provinz Yukon. Nach der gängigen Theorie war den Tieren allerdings der Weg weiter nach Süden für viele Jahrtausende durch Eismassen versperrt. Erst vor 12.000 Jahren zog sich das Eis weit genug zurück, um den Bären eine Ausbreitung zu ermöglichen.
Kritiker wandten jedoch ein, dass die Eismassen nicht vor 50.000, sondern erst vor 23.000 Jahren stark genug gewesen seien, um die Wanderung der Tiere nach Süden zu verhindern. Der Fund des 25.000 Jahre alten Schädelknochens weit südlich von Alaska hat diesen Einwand jetzt bestätigt: Die Bären konnten schon bei ihrer Ankunft weiter nach Süden ziehen, erklärt Matheus. Erst später wurden die nördlichen und die südlichen Populationen durch das Eis getrennt.
Eine Genanalyse mehrerer fossiler Bärenknochen konnte diese Vermutung der Wissenschaftler bestätigen: Die Bären in Alaska und im südlichen Kanada sind zwar miteinander verwandt, waren jedoch seit mindestens 35.000 Jahren genetisch voneinander isoliert. Eine Gruppe der Braunbären hatte sich also schon im Süden ausgebreitet, bevor der andere Teil im Norden Amerikas vom Eis eingeschlossen wurde.
ddp/bdw ? Eva Hörschgen





