Gewissheit haben die Forscher um den Meeresakustiker Christopher Fox zumindest bei der Aufnahme eines so genannten Tremors ein bedrohliches, lange anhaltendes Heulen, mal ansteigend, dann wieder schwächer werdend, das einen erschauern lässt. Es ist das Der Summen eines unterseeischen Vulkans vor der japanischen Küste, bei dem aufsteigendes Magma die Erde in Schwingung versetzt. Die Wissenschaftler des Pazifik-Forschungslabors nahmen den unheimlichen Ton im Mai 1998 zum ersten Mal auf und konnten ihn über Monate hinweg immer wieder wahrnehmen. Für das menschliche Ohr hörbar ist eine solche Aufnahme nur, wenn sie mit zehnfacher Geschwindigkeit abgespielt wird.
Gleiches gilt für die tiefen Brummtöne der Wale, mit denen sich die Meeresriesen über Hunderte von Kilometern verständigen. Die auf dem Meeresboden installierten Mikrophone und eine trickreiche Elektronik erlauben es den Forschern, solche Gesänge zu orten und so beispielsweise die Wanderungen der Meeressäuger durch die Weltmeere zu beobachten.
Ermöglicht hat solche Aufnahmen erst das Ende des Kalten Krieges. Um die Positionen der U-Boote des feindlichen Ostblocks bestimmen zu können, begann die US-Navy bereits in den fünfziger Jahren, am Meeresgrund befestigte Unterwassermikrophone zu installieren. Diese wurden an “sound channels” (Klangkanälen) aufgebaut Bereiche, in denen sich der Schall über große Entfernungen hinweg ausbreiten kann, da er immer wieder zurück in den Kanal reflektiert wird. Die Mikrophone sind extrem sensibel: Würde ein Walkman irgendwo in der Tiefsee versenkt, könnten sie die Musik aus dem Kopfhörer in einer Entfernung von mehreren Kilometern noch wahrnehmen. Nach dem Ende des Kalten Krieges durften auch Wissenschaftler die ausgeklügelten Anlagen nutzen und sich an die Erforschung der unterseeischen Kakophonie machen. Die Wissenschaftler erhoffen sich davon neben der Beobachtung von Walen neue Erkenntnisse über submarine Vulkane und Seebeben.
Manchmal werfen die Forschungen jedoch mehr Fragen auf, als sie beantworten: “Slowdown” nannten die Wissenschaftler beispielsweise ein Geräusch, das sie seit 1997 jedes Jahr mehrmals aufnahmen. Es klingt, als brause ein Flugzeug im Tiefflug über den Beobachter hinweg. Zu hören war es sowohl im Pazifik als auch im Atlantik. Immer kam es jedoch von Süden. Zunächst dachten die Wissenschaftler an einen Torpedo oder ein bisher unbekanntes Waffensystem, berichten Fox und seine Kollegen im britischen Wissenschaftsmagazin “New Scientist”. Experten der US-Navy winkten ab und präsentierten statt dessen eine andere Theorie: “Slowdown” könnte von Eisbergen in der Antarktis herrühren, die knarzend über den Meeresboden schleifen. Auf diese Spur hat sich Fox nun gemacht bisher jedoch ohne Erfolg. Etwas klarer sehen die Forscher, was die Herkunft von “Upsweep” angeht. So haben sie lautmalerisch ein rätselhaftes Winseln genannt, das sie 1991 zum ersten Mal aufzeichneten und das jahrelang im Pazifik ertönte im Herbst und Frühling lauter, sonst leiser. Zunächst hielten die Forscher “Upsweep” für einen Walgesang, doch dafür war es dann doch zu monoton.
Mithilfe eines Seismographen, mit denen sonst Erdbebenwellen aufgezeichnet werden, machten sie schließlich als Ort des Geschehens einen Punkt im Südpazifik auf halbem Wege zwischen Chile und Neuseeland aus. Die Wissenschaftler tippten auf ein vulkanisches Phänomen, das die seltsamen Klänge auslöste vielleicht Wasser, das mit großen Lavamassen in Berührung kommt und dabei in Schwingung gerät. Und tatsächlich entdeckten Wissenschaftler in diesem Bereich zahlreiche unterseeische Vulkane. Warum sich jedoch die Begegnung von Meer und heißer Lava in einem so schaurigen Heulen äußert, ist ein Rätsel geblieben.





