Drei Gasklumpen und ein Sternenembryo
Um die dichte Gaswolke zu beobachten, nutzten die Astronomen mehrere Radioteleskope, darunter das Very Large Array in New Mexico und das Green Bank Telescope im West Virgina. Mit ihnen analysierten sie die Radioemissionen von Methan, einem im Zentrum des dichten Gasklumpens vorkommenden Moleküls. Anhand seiner Verteilung konnten sie die innere Struktur der Wolke sichtbar machen – und fanden Überraschendes. Denn statt nur eines jungen Sternenembryos zeigten die Aufnahmen noch drei weitere Bereiche im Gas, die bereits auf dem Weg zur Sternenbildung sind. Alle drei sitzen in einem Gasfilament, das in mehrere Stücke zerfallen ist. Diese Fragmente haben sich bereits stark verdichtet. Die Astronomen schätzen, dass die Verdichtungen im Gas schon in rund 40.00 Jahren kollabieren und zu neuen Sternen werden könnten.
“Wir wissen, dass diese Sterne ein Mehrfachsystem bilden werden, denn schon jetzt sind die Gasklumpen durch ihre Schwerkraft aneinander gebunden”, erklärt Pineda. Diese gegenseitige Anziehung sorgt dafür, dass die junge Sterne nicht unabhängig voneinander sind, sondern sich gegenseitig umkreisen. Sie werden zwischen einem Viertel und einem Drittel der Sonnenmasse besitzen und zwischen 3.000 und 11.000 astronomische Einheiten voneinander entfernt liegen, wie die Berechnungen der Forscher ergaben. Zwei der neuen Sterne könnten dann ein stabiles inneres Doppelsternsystem bilden, das von dem etwas weiter entfernten dritten Stern umkreist wird. Der bereits zuvor bekannte, schon etwas weiter entwickelte Sternenembryo – der vierte im Bunde – wird dagegen nicht lange Teil dieses Systems bleiben, wie die Astronomen erklären: “Als Vierersystem ist es zwar noch gebunden, wird aber in Größenordnungen von rund 500.000 Jahren instabil werden.”
“Unsere Entdeckung liefert einen fantastischen Beleg dafür, dass auch aus der Fragmentierung von Gasfilamenten multiple Sternensysteme entstehen können”, sagt Pineda. “Wir können nun diesen Mechanismus zu unserer Liste der Entstehungsmöglichkeiten hinzufügen.” Wie häufig die Fragmentierung von Gasfilamenten tatsächlich am Anfang eines Doppel- oder Dreifachsystems steht, sollen nun weitere Beobachtungen mit dem Very Large Array und dem Atacama Large Millimeter /Submillimeter Array in Chile klären helfen. Mit ihnen wollen die Astronomen nun auch in anderen Sternenwiegen nach diesem Prozess fahnden.





