In einer Höhe von 8 bis 14 Kilometern verbergen sich feinste Zirruswolken, die von Meteorologen und Satelliten bislang übersehen wurden, aber vermutlich einen wichtigen Einfluss auf das Weltklima haben. Das berichtete Junhong Wang vom National Center of Atmospheric Research auf der Jahrestagung der American Meteorological Society in Long Beach (Kalifornien).
Wang bestimmte die Luftfeuchtigkeit in der untersten Schicht der Atmosphäre mit Hilfe neu entwickelter Sensoren, die mit Wetterballons in die Höhe stiegen. Während herkömmliche Messgeräte bei Temperaturen um minus 20 Grad Celsius, wie sie in der hohen Atmosphäre herrschen, Luftfeuchtigkeitswerte zwischen zehn und dreißig Prozent liefern, zeigte das neue Messgerät “Snow White” in der Hälfte aller Fälle eine Luftfeuchtigkeit zwischen neunzig und hundert Prozent an.
Das sei ein deutliches Zeichen, dass Zirruswolken in der Luft vorhanden waren, sagte Wang. Die zarten Eiswolken haben kaum Einfluss auf die Wettervorhersage, sind aber wichtig für das Strahlungsbudget der Erde und den Treibhauseffekt: Die Wolken lassen zwar das einfallende Sonnenlicht durch, nicht aber die vom Boden reflektierte Wärmestrahlung. “Es ist durchaus möglich, dass die Menge von Zirruswolken in der Atmosphäre jahrzehntelang unterschätzt wurde”, sagt Richard Anthes von der University Corporation for Atmospheric Research.
Dass die Zirruswolken bislang der Entdeckung entgingen, liegt daran, dass sie mehr oder weniger unsichtbar sind. Selbst Satelliten haben Schwierigkeiten, sie aufzuspüren. Wang bestätigte ihre Anwesenheit allerdings in einem Fall mit Hilfe eines so genannten “Lidar”, einem Gerät, das Laserlicht in die Atmosphäre sendet.
Ute Kehse





