Der Mond regelt physiologische Rhythmen vieler Organismen – das haben schon die alten Naturforscher beobachtet: Aristoteles berichtete im vierten Jahrhundert v. Chr., daß die Eierstöcke der Seeigel stets zur Vollmondzeit anschwellen, den römischen Gelehrten Cicero und Plinius fiel auf, daß die Anzahl der Austern mit den Mondphasen zu- und abnimmt. Viele Hunderte von weiteren Arten mit mondperiodischem Verhalten haben Wissenschaftler inzwischen im Meer und an Land entdeckt.
Darunter auch Pflanzen: Die Weinrebe etwa bringt bessere Ernten, wenn während ihrer Blütezeit die Neumondphase in die erste Junihälfte fällt – dies zeigen die gemittelten Daten aus über vier Jahrhunderten. Honigbienen richten sich ebenfalls nach dem Mond: An Tagen des Vollmondes sind sie am aktivsten. Und die heimische Nachtschwalbe legt ihre Eier stets nachts zur Zeit des dritten Mondviertels.
Bei Pflanzen und Tieren tritt die Mondperiodik überwiegend als Fortpflanzungsrhythmus auf – darin macht der Mensch keine Ausnahme: Es gibt Belege für einen Zusammenhang von Geburtenrate und Mondphase.
Mit wohltuender Sachlichkeit, ohne jeden Hang zu unglaubwürdiger Esoterik, stellen die beiden Evolutionsbiologen Klaus-Peter Endres und Wolfgang Schad die heute experimentell gesicherten Ergebnisse allgemeinverständlich dar. Die Daten, die sie zusammengetragen haben und kritisch gegeneinander abwägen, erlauben Laien und Spezialisten einen Einblick in ein spannendes, bislang nur wenig bekanntes Gebiet chronobiologischer Forschung.
Klaus-Peter Endres, Wolfgang Schad BIOLOGIE DES MONDES Mondperiodik und Lebensrhythmen S. Hirzel Verlag Stuttgart 1997 308 S., DM 89,-
Claudia Eberhard-Metzger





