Der Merkur ist ein echter Sonderling – und noch immer kaum erforscht. Er ist kleiner, dichter und älter als alle anderen Planeten im Sonnensystem und rotiert ungewöhnlich schnell. Zudem besitzt der Merkur einen überraschend großen Kern und scheint bis heute zu schrumpfen. Doch was hinter diesen Eigenheiten steckt, ist bislang nur in Teilen bekannt
Das Problem: Der innerste Planet ist wegen seiner Sonnennähe für Raumsonden schwer zu erreichen. Die enorme Anziehungskraft der Sonne sorgt für hohe Geschwindigkeiten beim Anflug. Um in den Merkurorbit einzuschwenken, müssen die Sonden daher stark abbremsen und beim Anflug zahlreiche Schleifen fliegen. Unter anderem deshalb haben bisher erst zwei Raumsonden den Merkur besucht: Mariner 10 in den 1970er-Jahren und MESSENGER von 2011 bis 2015.
BepiColombo: Im Doppelpack zum innersten Planeten
Jetzt ist eine dritte Merkurmission auf ihrem Zielanflug: BepiColombo. Die am 20. Oktober 2018 gestartete europäisch-japanische Merkurmission soll ab Ende 2026 neue Daten über den innersten und kleinsten Planeten des Sonnensystems sammeln. BepiColombo ist die erste Merkurmission, bei der zwei Raumsonden gemeinsam zum Planeten fliegen und ihn erkunden. Dadurch können sie zeitgleich einander ergänzende Messungen des Magnetfelds und der Wechselwirkungen planetarer Prozesse des Merkur mit der nahen Sonne durchführen.
Bis heute reisten die beiden Merkursonden – Mercury Planetary Orbiter (MPO) der ESA und der Mercury Magnetospheric Orbiter (Mio) der JAXA – gemeinsam mithilfe eines Transfermoduls zu ihrem Ziel. Mithilfe dieses Moduls steuerte BepiColombo seine mehrfachen Vorbeiflüge an Erde, Venus und Merkur, die zum Abbremsen nötig waren. Für den anfänglichen Antrieb sorgte ein Ionenantrieb, der am 15. Juni 2026 planmäßig abgeschaltet wurde.
Heute Nachmittag: Trennung vom Transfermodul
Heute Nachmittag um 14:00 Uhr folgt ein entscheidender Schritt für die Merkurmission BepiColombo: Die beiden Merkur-Orbitersonden trennen sich von ihrem Transfermodul. „Der Weg zum Merkur war schwierig. Die Ankunft dort ist noch schwieriger. Dies ist der erste wichtige Schritt in einer der technisch anspruchsvollsten Ankunftssequenzen, die die ESA jemals in Angriff genommen hat“, erklärt die europäische Weltraumagentur. Die ESA überträgt diese Abtrennung im Live-Stream ab 13:45 Uhr.

Trennung des Transfermoduls (im Vordergrund) von den gekoppelten Orbitersonden MMO und MPO. — © NASA/JPL; ESA/ATG medialab
Ab dem heutigen 3. September werden die beiden Orbitersonden im Verbund alleine weiter zum Merkur fliegen – besser gesagt fallen. Denn die Anziehungskraft der Sonne sorgt ohne weiteren Antrieb dafür, dass die Raumsonden Richtung Merkur fliegen. Sollten Bremsmanöver und Kurskorrekturen nötig werden, übernimmt diese das Triebwerk des Mercury Planetary Orbiter der ESA.
Wie es für BepiColombo weitergeht
Doch die heutige Abtrennung ist erst der erste Schritt der komplexen und riskanten Annäherung an den Merkur. Weiter geht es am 21. November 2026 mit einem weiteren Meilenstein: Die gekoppelten Merkursonden bremsen ab, um in eine Umlaufbahn um den Merkur einzuschwenken. Dieses erste Abbremsmanöver bringt die beiden Sonden in einen stark elliptischen Orbit, der zwischen 670 und 178.000 Kilometer von der Merkuroberfläche entfernt ist.
Im Verlauf der folgenden rund drei Wochen werden die Merkursonden dann weitere fünf Bremsmanöver durchführen. Am neunten Dezember 2026 schließlich folgt die letzte Trennung: Der japanische Mercury Magnetospheric Orbiter wird sich von seiner europäischen Partnersonde abkoppeln. Anschließend manövrieren sich beide Merkursonden unabhängig voneinander in ihre Zielumlaufbahnen um den Planeten. Ab April 2027 sollen die Sonden dann wissenschaftliche Daten vom innersten Planeten unseres Sonnensystems liefern.
Quelle: European Space Agency (ESA)





