Unter den Azoren haben Forscher von der University of Bristol uraltes Mantelgestein entdeckt, das sich noch vor der Entstehung der Kontinente gebildet haben muss und möglicherweise lange Zeit an der Grenze zwischen Erdkern und Erdmantel lagerte. Das berichten Wissenschaftler um Simon Turner im Journal Nature (Bd. 420, S. 304).
Die Azoren liegen genau auf dem mittelatlantischem Rücken, einem tausende Kilometer langen Unterwassergebirge, entlang dessen zwei Platten der Erdkruste auseinander driften. Am mittelatlantischen Rücken dringt Magma aus dem Erdinnern hervor und treibt die europäische und die amerikanische Platte auseinander. Die Azoren liegen über der Wasseroberfläche, weil dort mehr Material als an anderen Stellen aus der Erde quillt.
Möglicherweise handelt es sich um Gestein, das vor 2,5 Milliarden Jahren schon einmal in der Nähe der Oberfläche war, schreiben Turner und Kollegen. Sie fanden heraus, dass die Lava von den Azoren-Inseln Pico und Faial außergewöhnlich wenig Osmium mit der Massenzahl 187 enthält. Das sei ein Anzeichen dafür, dass es sich um Mantelgestein handelt, das vor Urzeiten zu einer ozeanischen Platte gehörte und schon einmal komplett geschmolzen war, schreiben die Forscher.
Da die ozeanischen Platten nach spätestens 200 Millionen Jahren wieder in den Erdmantel abtauchen, muss das Azoren-Gestein ungefähr zwei Milliarden Jahre ungestört an der Grenze zwischen Erdkern und Erdmantel geruht haben, schließen Turner und seine Kollegen. Das deute darauf hin, dass die Umwälzung des Erdmantels durch die Plattentektonik nicht besonders effektiv sei, schreiben die Forscher.
Ute Kehse





