
Deltamündungen entstehen bei der Abbremsung der Strömung durch die Ablagerung von im Fluss mitgetragenen Sedimenten. Bereits in den 2000er Jahren entwickelte Gary Parker, Geologe an der Universität Illinois, eine Reihe von mathematischen Gleichungen, die das Fließverhalten von irdischen Flüssen beschreiben. Eine modifizierte Form dieser Ergebnisse ermöglichte es dem Forschungsteam am MIT, die Fließrate und die Menge des bewegten Sediments in Flüssen ausschließlich basierend auf der Flussbreite und der Neigung des Flussbetts vorherzusagen. Ein wichtiger Schritt, da diese beiden Parameter bei außerirdischen Flüssen mithilfe von Raumsonden gemessen werden können.
Die Anwendung ihrer neuen Technik auf Bilder und Höhenmessungen des Mars ermöglichte es den Wissenschaftlern, zu berechnen, wie schnell Flüsse vor über einer Milliarde Jahre auf dem roten Planeten flossen. Ein Vergleich der Ergebnisse mit Daten aus Feldmessungen der Mars-Rover Curiosity und Perseverance zeigte große Übereinstimmung.
Auf dem Titan fokussierte sich das Team auf zwei Flüsse, einen mit und einen ohne Deltamündung. Dabei wurden Fließraten gefunden, die mit einigen der größten Flüsse der Erde vergleichbar sind. Beide Flüsse sollten also genug Sediment transportieren, um Deltas zu bilden. Der Grund für die wenigen Ablagerungen der Titanflüsse bleibt damit weiter unbekannt.
Trotz dieses noch ungelösten Rätsels stellt die von den Forschern neu entwickelte Methode ein wichtiges Instrument zur Erkundung von außerirdischen Flussformationen wie auf dem Mars und dem Titan dar. Birch ist überzeugt: „Der Titan ist der erdähnlichste Ort und wir haben bisher nur einen winzigen Eindruck von ihm bekommen. Es gibt so viel mehr, von dem wir wissen, dass es da ist, und diese Remote-Technik bringt uns ein wenig näher.“





