Die Klimaanomalie “El Nino”, die alle drei bis sieben Jahre das Wetter im pazifischen Raum durcheinanderbringt, lässt sich möglicherweise recht einfach vorhersagen. Ein halbes Jahr vor einem El-Nino-Ereignis, so fanden Allan Clarke und Stephen Van Gorder heraus, gibt es im äußersten westlichen, äquatorialen Pazifik eine kleine Abweichung der vorherrschenden Westwinde von ihrer üblichen Stärke. Diese relativ geringe Anomalie wandert dann immer weiter nach Osten und verstärkt sich dabei, weil sich die Abweichungen vom Normalzustand in Atmosphäre und Meer gegenseitig aufschaukeln. Bei einem ausgewachsenen El Nino strömt im Pazifik warmes Oberflächenwasser in Richtung Südamerika. Das verhindert, dass vor der Küste Chiles kaltes, nährstoffreiches Wasser emporquillt, wie es normalerweise der Fall ist.
Laut Clarke und Van Gorder, ging seit 1960 die Windanomalie allen acht El Ninos, die sie analysierten, voraus. Daraufhin stellten sie ein Modell zur Vorhersage von El Ninos auf, das, obwohl es so einfach ist, ebenso gut wie zwei andere Modelle funktioniert, mit denen der starke El Nino von 1999 vorhergesagt werden konnte. Auch das Abflauen eines El Ninos lässt sich mit dem Modell von Clarke und Van Gorder vorausbestimmen. Das Modell liefert noch bessere Vorhersagen, wenn die Ostgrenze des riesigen Warmwasservorrats im westlichen Pazifik mit einbezogen wird, schreiben die Forscher in den Geophysical Research Letters (Bd. 28, Nr. 4, S. 579).
Ute Kehse





