Methanquellen am Kontinenthang
Auch vor der Nordostküste der USA finden sich große Methanhydrat-Vorkommen entlang des Kontinentalhangs. Sie beginnen dort etwa ab einer Meerestiefe von 500 Metern. Bisher galten diese Vorkommen jedoch als relativ stabil, Gasaustritte waren in dem Gebiet zwischen Cape Hatteras in North Carolina und dem Golf von Maine kaum bekannt – auch, weil genauere Untersuchungen fehlten. Deshalb führten Adam Skarke von der Mississippi State University und seine Kollegen nun eine nahezu flächendeckende Fahndung nach kalten Gasquellen entlang dieses Küstenabschnitts durch. Sie durchmusterten dafür Sonardaten und Aufnahmen, die das Forschungsschiff Okeanos Explorer bei Expeditionen zwischen 2011 und 2013 gesammelte hatte.
Die Analyse enthüllte mindestens 570 zuvor unentdeckte Gasaustritte entlang der US-Küste. Die daraus aufsteigenden Gasbläschen ließen sich noch hunderte Meter über dem Meeresboden nachweisen, wie die Forscher berichten. Das Wasser in der Nähe dieser Gasquellen enthielt zudem ungewöhnlich große Mengen Methan. “Eine so ausgedehnte Leckage haben wir an der Atlantikküste nicht erwartet”, sagt Skarke. Denn bisher waren Methangas-Austritte in diesem Maßstab nur aus den sich schnell erwärmenden Meeren der Arktis bekannt. In den mittleren Breiten aber sei dies das erste Mal, so die Forscher.
Wie sich zeigte, sind die unterseeischen Gasquellen zudem nicht gleichmäßig verteilt: Sie konzentrieren sich in einer Tiefe von 400 bis 600 Metern – und damit in einem Bereich des Kontinentalhangs, der bisher als gerade noch stabil für Methanhydrate galt. “Die Erwärmung des Ozeans – entweder langfristig oder durch dekadische Schwankungen – kann dazu geführt haben, dass das Methanhydrat hier sein Methan verliert und dieses dann in den kalten Quellen freigesetzt wird”, erklärt Koautorin Carolyn Ruppel vom US Geological Survey die mögliche Ursache der Gasaustritte. Nach Angaben der Forscher gibt es aber auch Hinweise darauf, dass geologische Faktoren die Hydratvorkommen anfälliger für diesen Auflösungsprozess machen könnten: So häufen sich die Methan-Austritte entlang des oberen Kontinentalhangs vor den Städten Washington und Baltimore. Hier ist der Kontinentrand von zahlreichen Untersee-Canyons tief eingekerbt, wie die Forscher berichten. Sie vermuten daher, dass diese Einschnitte in die Methanhydratvorkommen diese destabilisieren.
Treibhaus-Effekt und stärkere Versauerung der Meere
Was aber bedeuten diese neuentdeckten Methangas-Quellen für das Klima? Wie die Forscher erklären, liegt ein Großteil der Austritte zu tief, als dass das Methan direkt in die Atmosphäre aufsteigen könnte. Stattdessen wird das Treibhausgas von Mikroorganismen im Meerwasser aufgenommen und zu Kohlendioxid oxidiert. Das mindert zwar die Treibhauswirkung, verstärkt aber dafür die Versauerung des Ozeans und entzieht dem Wasser Sauerstoff – beides ist für viele Meeresorganismen nicht gerade günstig. Unter den neuentdeckten Gasquellen sind aber auch Methan-Austritte, die in flacheren Schelfgebieten liegen. Ihr Methan könnte daher die Atmosphäre erreichen, ohne vorher oxidiert zu werden.





