Durch einen gezielten Raketeneinschlag hat die NASA Rohstoffvorkommen auf dem Mond enthüllt. Die Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde der USA hatte die Rakete im vergangenen Herbst auf den Mondpol abgefeuert, um die dabei aufgewirbelten Trümmerteilchen untersuchen zu können. Wissenschaftler waren seitdem mit der Datenauswertung befasst und konnten nun zum ersten Mal zeigen, welche Schätze sich in der Region um den Südpol unseres Erdtrabanten verbergen: Neben Wasser, Kohlendioxid, Natrium und Ammoniak lagere dort auch Silber, berichten die Wissenschaftler um Peter Schultz von der Brown University in Providence.
Im Oktober letzten Jahres krachte die Rakete der NASA in den Krater Cabeus, der sich in der Nähe des Südpols des Mondes befindet, und erzeugte dabei ein Loch mit einem Durchmesser von 25 bis 30 Metern. Die Explosion sprengte etwa zwei Tonnen Mondboden in eine Höhe von fast einem Kilometer. Dadurch gelangten die Teilchen aus dem Kraterschatten ins Sonnenlicht, wo sie ihre Eigenschaften etwa vier Minuten lang offenbarten: Die Messinstrumente einer Sonde, die sich gleichzeitig in Mondnähe befand, erfassten auf diese Weise viele Daten über den aufgewirbelten Mondboden.
Aus diesen Informationen konnten die Wissenschaftler ihre Rückschlüsse über die Zusammensetzung des Bodens am Südpol des Mondes ziehen. Nach ihren Berechnungen wurden rund 155 Kilogramm Wasser durch den Einschlag hochgeschleudert. Anhand dieser Menge schätzen die Forscher, dass etwa 5,6 Prozent des Bodenmaterials beim Krater Cabeus aus Wassereis bestehen.
Die Wasservorkommen des Mondes stehen besonders im Interesse der Forscher und der Raumfahrt, da Informationen über diesen Rohstoff die Grundlage für künftige Mondstationen bieten können. Aber auch die anderen entdeckten Rohstoffe sind von hohem Interesse. Bezüglich des entdeckten Silbers im Mondboden schränkt Peter Schultz allerdings ein: “Die Konzentration ist nicht so hoch, dass wir dort nun eine Mine errichten sollten, aber die Existenz dieses Edelmetalls am Südpol des Mondes ist eine spannende Entdeckung.”
Den Wissenschaftlern zufolge war das Projekt ein großer Erfolg, es hätte aber auch mindestens so viele neue Fragen aufgeworfen, wie durch die neuen Ergebnisse beantwortet wurden. “Auf dem Mond schlummern noch viele Geheimnisse, auch Informationen über die Geschichte der Erde, des Sonnensystems und sogar unserer Galaxis. Der Mond wartet nur darauf, dass wir zu ihm zurückkehren”, sagt Schultz.
Peter Schultz (Brown University, Providence) et al.: Science, Bd. 330, Nr. 6003, S. 463 dapd/wissenschaft.de ?
Martin Vieweg