Neue Belege für diese Theorie fand das Team um Ross Hartley nun nördlich von Schottland, am Boden des Nordatlantiks. Sie machten eine abwechslungsreiche Flusslandschaft sichtbar, die heute unter 900 Metern Wasser und zwei Kilometer dicken Ablagerungen begraben ist. Vor 55 Millionen Jahren lag dieser Teil der Nordsee über der Wasseroberfläche, berichten sie. Typische Meeresablagerungen fehlen in dieser Zeit, stattdessen enthalten die Sedimente Pollen von Landpflanzen.
Anhand der verschütteten Flussläufe ermittelten die Forscher, wie schnell der Meeresboden damals aufgestiegen war. Die gesamte Episode dauerte demnach zwei bis drei Millionen Jahre. In zwei oder drei Schüben hob sich der Meeresboden um jeweils 200 bis 400 Meter an, insgesamt stieg er um knapp tausend Meter empor. Schon nach wenigen Jahrhunderttausenden verschlangen die Fluten das neugeborene Land aber wieder.
An einer anderen Stelle, 240 Kilometer vom jetzigen Untersuchungsgebiet entfernt, spielte sich 500.000 Jahre später das Gleiche ab, wie ein anderes Forscherteam schon vor einiger Zeit herausfand. Die Forscher um Hartley schließen daraus, dass das heiße Magma unter der Erde sich mit einer Geschwindigkeit von 35 Zentimetern pro Jahr ausbreitete. Ähnlich wie eine ringförmige Welle im Wasser entsteht, wenn man einen Stein hineinwirft, wanderte offenbar auch die Magmawelle immer weiter nach außen. Die verschüttete Flusslandschaft lag immerhin 600 Kilometer vom damaligen Zentrum des Hotspots entfernt.
Die Hot-Blob-Theorie könnte nach Meinung der Forscher eine Erklärung für bislang rätselhafte Meeresspiegelschwankungen in der Erdgeschichte liefern, die nicht auf Eiszeiten zurückzuführen sind. Denn auch andere Hotspots auf der Welt könnten in der Vergangenheit ähnliche heiße Wellen ausgesandt haben. Das isländische Blob-Ereignis steht außerdem im Verdacht, eine geheimnisvolle Warmzeit ausgelöst zu haben. Vor 55 Millionen Jahren erwärmte sich die Erde aus bislang ungeklärter Ursache innerhalb von 20.000 Jahren um fünf Grad Celsius. Der britische Geologe Philip Allen spekuliert nun, dass sich im Sediment gespeichertes Methan gelöst haben könnte, als der Meeresboden sukzessive aus den Fluten auftauchte. Der Kohlenwasserstoff ist ein wirkungsvolles Treibhausgas.





