von THORSTEN DAMBECK
Falls jemand in ferner Zukunft eine Wanderung auf dem Mars beabsichtigen sollte, hätte Sebastian Walter von der Freien Universität Berlin eine interaktive Karte anzubieten. Kürzlich stellte er sie auf dem diesjährigen europäischen Jahreskongress für Planetologie im spanischen Granada vor. „Sie ist das perfekte Werkzeug für die Planung eines zukünftigen Marsbesuchs“, sagt Walter. Am heimischen Computer könne man schon heute bei virtuellen Wanderungen einen Eindruck bekommen, was auf dem Roten Planeten zu erwarten sei. Zusätzlich zu Satellitenfotos und den spektakulären Panoramabildern, die das Marsmobil Perseverance im Krater Jezero geschossen hat, kann man sogar echten Marsgeräuschen lauschen. Sie entstehen, wenn das sechsrädrige Gefährt durch die rote Wüste kurvt.
Bei dem Tool, das frei im Internet verfügbar ist, geht es neben der Wissenschaft auch um Öffentlichkeitsarbeit. Denn nach den anfangs viel beachteten Nachrichten über die gefährliche Landung, wurde es schnell still um die Mission. Dabei beginnt die eigentliche Arbeit der Forscher erst danach – und sie könnte sich über Jahre, sogar über Jahrzehnte erstrecken.
Traumziel für Astrobiologen
Perseverance (englisch „Beharrlichkeit“), manchmal kurz Percy genannt, ist das jüngste Marsgefährt der NASA. Es erkundet seit Februar 2021 in dem 45-Kilometer-Krater einen ausgetrockneten urzeitlichen See. Zudem sammelt es Gesteins- und Bodenproben für einen geplanten Transport zur Erde. Den sollen im kommenden Jahrzehnt weitere automatische Sonden bewerkstelligen (siehe Kasten „Sample Return und ExoMars“).
Das eigentliche Zielgebiet des Rovers sind die Sedimente am Westrand des Kraters. Sie bilden das fossile Relikt eines Deltas. Es entstand, als vor etwa 3,5 Milliarden Jahren ein Zufluss auf den Kratersee traf. Damals war der Mars viel feuchter und generell erdähnlicher als die heute knochentrockene Wüste. Auf der Erde regten sich zu dieser Zeit die ersten Lebensformen – war es auf unserem Nachbarplaneten ebenso?
Nach rund fünf Kilometern Anfahrt, die Perseverance von seinem Landeort im Kraterinnern nordwärts zurücklegte, erreichte er im April 2022 den Rand des Deltas. Fünfmal hat er dort seitdem Proben aus dem Gestein entnommen.
Bereits auf dem Weg wurde die Probennahme geübt. Dabei zeigte sich, dass nicht alle Steine dafür geeignet sind. Ausgerechnet beim ersten Versuch zerbröselte ein offenbar besonders weicher Steintyp – und nichts davon landete in dem dafür vorgesehenen Titanröhrchen. Doch insgesamt gelang diese Prozedur inzwischen 13 Mal.





