Wenn Schwarze Löcher aktiv Materie verschlingen, macht sich dies normalerweise bemerkbar: Die angesaugten Gase und Trümmer rasen in immer schnellerem Tempo um den Ereignishorizont und setzen dabei energiereiche Strahlung und weit ins All hinausschießende Ströme beschleunigter Teilchen frei. Bei aktiven Galaxienkernen sind solche Jets über Millionen Lichtjahre hinweg sichtbar. „Solche Jets – oder allgemein gesprochen Winde – müssten eigentlich alle Schwarzen Löcher aufweisen“, erklären Mark Gorski und Lena Murchikova von der Northwestern University in Illinois.
Produziert auch Sagittarius A* einen Wind?
Doch bei Sagittarius A*, dem zentralen Schwarzen Loch der Milchstraße, schien dieser typische Wind zu fehlen: Zwar zeugen gigantische Blasen aus Gasen und Strahlung davon, dass auch unser supermassereiches Schwarzes Loch vor einigen Millionen Jahren noch größere Mengen Materie verschlang und dabei starke Ausströme erzeugte. Seither scheint der Schwerkraftgigant aber bis auf ein leichtes Flackern seines Lichtrings weitgehend inaktiv.
Trotz fast 50-jähriger Suche konnten Astronomen den theoretisch postulierten „Black Hole Wind“ bei Sagittarius A* nicht aufspüren. Einer der Gründe dafür ist unser Blickwinkel auf dieses Schwarze Loch: „Um es zu beobachten, müssen wir durch die Hauptebene der Milchstraße hindurchblicken. Das bedeutet, dass wir durch jede Menge Staub, Gas und ionisierte Strukturen schauen müssen, und diese sind für uns oft nur schwer durchdringbar“, erklärt Murchikova.

Verräterische Lücke im kühlen Gas
Das hat sich nun geändert: Den Astronomen ist es erstmals gelungen, den lange gesuchten Teilchenwind von Sagittarius A* nachzuweisen. Aufgespürt haben sie seine Signatur mithilfe von Aufnahmen des Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array (ALMA) in Chile. Die Radioteleskope dieses Observatoriums haben im Laufe von fünf Jahren das Zentrum unserer Galaxie immer wieder ins Visier genommen und dabei die Bewegungen kühler molekularer Kohlenmonoxid-Gase um das Schwarze Loch kartiert.





