Sowohl der Mars als auch die Venus leuchten, erläutert Dennerl, “mit geliehener Röntgenstrahlung von der Sonne. Ohne unser Zentralgestirn wäre alles finster”. Wechselwirkungen mit dem energiereichen Anteil der Sonnenstrahlung, besonders in den oberen Schichten in mehr als 80 Kilometern Höhe der Atmosphären um die Planeten, lassen die beiden Himmelskörper im Röntgenbereich aufscheinen.
Das geschieht hauptsächlich durch Fluoreszenz: Die Röntgenstrahlung der Sonne reißt aus Atomen und Molekülen ? vor allem Sauerstoff (O) und Kohlenstoff (C) der zu über 95 Prozent aus Kohlendioxid (CO2) bestehenden Gashüllen um die beiden Planeten ? einzelne Elektronen heraus. Dieser angeregte Zustand besteht allerdings nur kurze Zeit. Sofort füllen Elektronen die Lücken wieder auf. Dadurch kehrt das Atom in seinen Grundzustand zurück und strahlt die überschüssige Energie in Form der beobachteten Röntgenfluoreszenz ab. Sie ist auf bestimmte Wellenlängen eng begrenzt und tritt somit in Form charakteristischer Spektrallinien in Erscheinung. Diese verraten eindeutig wie Fingerabdrücke die beteiligten chemischen Elemente. “Damit bietet die Röntgenfluoreszenzstrahlung eine neuartige Möglichkeit, die äußeren Atmosphären der beiden Planeten aus der Ferne zu erforschen”, stellt Dennerl fest.
Den Mars hat Chandra am 4. Juli 2001 mehr als neun Stunden lang ins Visier genommen. Dort tobte ein heftiger Sandsturm, der zu dieser Zeit etwa eine Hälfte des Planeten erfasst hatte. Dies zeigten Messungen der Staubverteilung durch den um den Roten Planeten kreisenden Beobachtungssatelliten “Mars Global Surveyor”. Aufgrund dieser besonderen “Wetterlage” bot sich die Gelegenheit zu einem einzigartigen Test. Eventuell könnten unsichtbare, weil mikroskopisch kleine Staubteilchen, die durch den Sturm bis in die obere Mars-Atmosphäre empor gewirbelt werden, als Reflektoren für die Röntgenstrahlung von der Sonne wirken. Die Streuung solarer Röntgenstrahlung an derart kleinen Staubpartikeln wird von manchen Wissenschaftlern als Ursache für die Röntgenstrahlung von Kometen angesehen.
Doch auch als sich das Gebiet des Sandsturms weggedreht hatte ? der Mars rotiert ähnlich wie die Erde alle 24 Stunden einmal um seine Achse ? blieb die Röntgenintensität gleich. Winzige Staubpartikel waren offenbar nicht in ausreichender Zahl in großer Höhe vorhanden, um die Röntgenstrahlung vom Mars messbar zu beeinflussen.





