Astronomen haben schon mehr als 6000 Exoplaneten entdeckt, außerdem hunderte protoplanetare Scheiben – die rotierenden Scheiben aus Gas und Staub, in denen neue Planeten entstehen. Gängiger Annahme nach entstanden auch die Erde und alle anderen Planeten des Sonnensystems einst in der protoplanetaren Scheibe der jungen Sonne. Die Beobachtung anderer Planetensysteme in ihrem Frühstadium kann daher wertvolle Informationen auch über die Vergangenheit unseres eigenen Systems liefern. Doch junge, noch in ihre Staubscheiben eingebettete Planeten zu erspähen, ist nicht einfach. Zwar verraten auffällige Lücken, Spiralen oder andere Staubformationen manchmal, dass sich ein Planet in der protoplanetaren Scheibe verbergen muss. Dies zu bestätigen und die Jungplaneten direkt abzubilden, ist jedoch eine Herausforderung. „Dafür muss man die thermische Emission des Planeten klar vom gestreuten Licht der umgebenden Scheibe trennen können“, erklären Chloe Lawlor von University of Galway und ihre Kollegen.
Noch seltener und schwerer zu finden sind protoplanetare Scheiben mit gleich mehreren heranwachsenden Planeten. Sie kommen dem angenommenen Frühstadium unseres Sonnensystems am nächsten, doch bisher war erst ein einziger Fall einer solcher multiplanetaren Kinderstube bekannt: Der rund 370 Lichtjahre entfernte Jungstern PDS 70 zeigt in der Lücke seiner protoplanetaren Staubwolke die hellen Lichtflecke zweier junger Gasriesen.
Noch ein junger Gasriese um WISPIT 2
Jetzt ist es Astronomen um Lawlor gelungen, ein zweites System mit mehreren heranwachsenden Planeten zu finden. Es umgibt den rund 430 Lichtjahre entfernten Jungstern WISPIT 2. Der sonnenähnliche Stern ist maximal fünf Millionen Jahre alt und noch von einer dichten, großen Staubscheibe umgeben, in der mehrere Lücken zu erkennen sind. 2025 hatten Astronomen mithilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europäische Südsternwarte in Chile in der breitesten dieser Lücken den Lichtpunkt eines jungen Exoplaneten entdeckt. Der WISPIT 2b getaufte Planet ist rund 4,9 Jupitermassen schwer und damit ein heranwachsender Gasriese. Er ist rund 60-mal so weit von seinem Stern entfernt wie die Erde von der Sonne. Doch die Struktur der protoplanetaren Scheibe von WISPIT 2 legte schon damals nahe, dass sich in ihr noch mehr verbergen könnte. „Die Präsenz von bis zu vier Ringen mit dazwischen liegenden Lücken weckte Spekulationen darüber, dass es sich hier um ein Mehrplanetensystem in der Bildungsphase handeln könnte“, erklären Lawlor und ihr Team.





