Rote Zwergsterne sind in unserer Milchstraße der häufigste Sternentyp. Diese kleinen, relativ kühlen Sterne machen im Umkreis unseres Sonnensystems sogar rund 80 Prozent aller Sterne aus, wie Beobachtungen zeigen. Um einige dieser Nachbarsterne haben Astronomen auch schon Exoplaneten entdeckt. So wird unser nächster Nachbar, der rund vier Lichtjahre entfernte Rote Zwerg Proxima Centauri, von gleich drei Planeten umkreist, der rund 40 Lichtjahre entfernte Rote Zwerg TRAPPIST-1 hat sogar sieben erdähnliche Trabanten. Meist wurden diese Planeten mithilfe der sogenannten Radialgeschwindigkeitsmethode entdeckt. Dabei verraten periodische Verschiebungen im Lichtspektrum des Sterns, dass dessen Bewegung von der Schwerkraft eines oder mehrerer Begleiter beeinflusst wird. „Weil M-Zwerge kühler, weniger hell und weniger massereiche sind als sonnenähnliche Sterne und ihre habitable Zone auch näher am Stern liegt, sind sie ideale Ziele für eine Planetensuche mittels Radialgeschwindigkeit“, erklären Jonay González Hernández vom Astrophysikalischen Institut der Kanaren und seine Kollegen.
Hat der sonnennächste Einzelstern Planeten?
Trotz dieser eigentlich günstigen Voraussetzungen hat es sich aber als schwierig erwiesen, Planeten um Barnards Stern aufzuspüren. Dieser ist der sonnennächste Einzelstern und der zweitnächste Stern nach dem Proxima-Alpha-Centauri-Dreifachsystem. Im Jahr 2018 schienen Astronomen dann endlich fündig geworden zu sein: Im Spektrum des Sterns entdeckten sie eine wiederkehrende Verschiebung, die auf die Präsenz einer Supererde mit einer Umlaufperiode von rund 233 Tagen hindeutete. Allerdings konnten weitere Beobachtungen diesen Fund nicht eindeutig bestätigen. Zudem ließ sich nicht ausschließen, dass die beobachtete Spektralsignatur nur auf die Aktivität des Roten Zwergs statt auf den Schwerkrafteinfluss eines umkreisenden Planeten zurückging. Um mehr Klarheit zu schaffen, haben González Hernández und sein Team nun Barnards Stern noch einmal mit dem hochauflösenden ESPRESSO-Spektrografen am Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) ins Visier genommen. Um möglichst präzise Daten zu gewinnen, kann das Licht von bis zu vier der großen Spiegelteleskope des Observatoriums synchronisiert und in dieses Instrument eingespeist werden.
Für ihre Studie werteten die Astronomen insgesamt 157 ESPRESSO-Beobachtungen aus, die zwischen Mai 2019 und Juli 2023 von Barnards Stern gemacht wurden. Zusätzlich nutzten sie die Daten weiterer astronomischer Instrumente am La-Silla-Observatorium in Chile sowie dem Calar-Alto-Observatorium in Spanien. „Auch wenn es lange gedauert hat, waren wir immer zuversichtlich, dass wir etwas finden würden“, sagt González Hernández. Tatsächlich zeigten die computergestützten Auswertungen im Lichtspektrum von Barnards Stern gleich mehrere auffällige Signale. Die deutlichsten periodischen Verschiebungen wiederholten sich dabei in einem Abstand von rund 3,15 Tagen. Nach näherer Überprüfung und einem Abgleich mit der Aktivität des Sterns kommen die Astronomen zu dem Schluss, dass dieses Signal von einem Exoplaneten stammen muss. „Wir haben es als Planetensignal bestätigt”, schreiben González Hernández und sein Team.





