Beteigeuze liegt nur 650 Lichtjahre von uns entfernt im Sternbild Orion. Der Rote Überriese hat den rund 700-fachen Durchmesser und die mehr als zehntausendfache Leuchtkraft unserer Sonne. Am Nachthimmel leuchtet er als der zehnthellste Stern. Beteigeuze ist zwar erst rund zehn Millionen Jahre alt und damit nach stellaren Maßstäben noch jung. Dennoch nähert er sich schon seinem Ende: Aufgrund seiner großen Masse von 16 bis 19 Sonnenmassen hat er seinen Fusionsbrennstoff schnell verbraucht und sich bereits enorm aufgebläht. Astronomen gehen davon aus, dass der Überriese schon bald in einer Supernova explodieren könnte, wann genau das der Fall sein wird, ob in wenigen Jahren, Jahrhunderten oder doch Jahrtausenden, ist aber unbekannt. 2019 sorgte Beteigeuze für Aufsehen, weil seine Helligkeit plötzlich sehr stark abnahm. Astronomen sahen dies zunächst als erstes Vorzeichen einer Supernova, weitere Beobachtungen ergaben dann jedoch, dass ein gewaltiger Plasmaausbruch eine verdunkelnde Staubwolke erzeugt hatte.
Aufgespürt dank Speckle-Imaging
Jetzt haben Astronomen die Lösung eines weiteren Rätsels rund um Beteigeuze gefunden. Denn neben einem auf internen Prozessen beruhenden Aktivitätszyklus von rund 400 Tagen zeigt der Überriese auch Helligkeitsschwankungen, die in einem längeren Takt von knapp sechs Jahren schwanken. Diese sogenannten langen sekundären Perioden (LSP) dieses und einiger anderer Überriesen sind mit bekannten Mechanismen und Zyklen der Sternaktivität nicht erklärbar. Deshalb vermuten Astronomen schon länger, dass Beteigeuze möglicherweise einen Begleitstern besitzt. Ersten Indizien zufolge müsste dieser den Roten Überriesen eng umkreisen, rund 20-mal leichter und rund eine Million Mal lichtschwächer sein. Das könnte erklären, warum dieser kleine, nahe Partnerstern trotz der intensiven, jahrzehntelangen Beobachtungen des prominenten Riesensterns noch nicht entdeckt wurde: Der viel hellere, größere Beteigeuze überstrahlt ihn komplett.
Dennoch ist es nun einem Team um Steve Howell vom Ames Research Center der NASA gelungen, den Begleitstern des Beteigeuze nachzuweisen und erstmals direkt abzubilden. Möglich wurde dies durch eine günstige Position der beiden Sterne im Juni 2024, die zu diesem Zeitpunkt von uns aus gesehen einen besonders großen Abstand hatten Um den lichtschwachen Begleiter neben dem hellen Überriesen aufzuspüren, nutzten die Astronomen den sogenannten Speckle-Imager am Gemini North Telescope auf Hawaii. Dieses Instrument erlaubt es, sehr viele Aufnahmen mit kurzer Belichtungszeit direkt hintereinander zu erstellen – quasi ultrakurze Schnappschüsse. Diese Bilder werden dann so miteinander kombiniert, dass die Störeffekte der Erdatmosphäre herausgerechnet werden können und besonders scharfe, kontrastreiche Aufnahmen entstehen.





