Sie dauern nur wenige Millisekunden, entladen in dieser Zeit aber so viel Energie wie unsere Sonne an einem ganzen Tag: Fast Radiobursts (FRB) gehören zu den rätselhaftesten Phänomenen des Kosmos. Denn bisher ist unklar, was diese ultrakurzen Radioblitze verursacht. Zwar deutet die starke Polarisierung dieser Signale darauf hin, dass diese Ausbrüche von Radiostrahlung aus einem stark magnetisierten Umfeld stammen müssen. Kandidaten dafür wären Neutronensterne, die im Magnetfeld eines supermassereichen Schwarzen Lochs liegen oder auch junge Magnetare – Neutronensterne, die schnell rotieren und selbst extrem starke Magnetfelder erzeugen. Letzteres wird gestützt durch einen 2020 eingefangenen FRB, der erstmals nicht aus einer anderen Galaxie stammte, sondern aus der Milchstraße. Astronomen konnten seinen Ursprung bis zu einem Magnetar in der Nähe des galaktischen Zentrums zurückverfolgen. Zumindest einige Fast Radiobursts könnten demnach auf solche Magnetare zurückgehen. Wie die Neutronensterne diese extremen Radiopulse erzeugen, ist jedoch strittig, ebenso unklar ist, warum einige Fast Radiobursts in Serie auftreten, während andere einmalige Ereignisse sind.
Aus weiter Entfernung und extrem energiereich
Jetzt haben Astronomen um Stuart Ryder von der Macquarie University in Australien einen neuen Rekordhalter unter den Fast Radiobursts entdeckt. Der kosmische Radiopuls wurde am 10. Juni 2022 vom Australian Square Kilometre Array Pathfinder (ASKAP) eingefangen. Dieses Radioobservatorium besteht aus 36 jeweils zwölf Meter großen Parabolantennen, die mittels Interferometrie zusammengeschaltet sind. Sie detektierten den nur 1,18 Millisekunden kurzen Radiopuls, dessen Strahlung sich im Bereich um 1271 Megahertz konzentrierte. Aus der charakteristischen Streuung der Radiostrahlung konnte das Team ermitteln, woher dieser FRB 20220610A getaufte Radioblitz kam und wie weit die Quelle in etwa entfernt liegt. Demnach hat die Strahlung rund acht Milliarden Jahre zu uns gebraucht. Damit ist FRB 20220610A der entfernteste jemals detektierte Radioblitz, wie die Astronomen berichten.
Rekordträchtig ist jedoch auch die Energie dieses ultrakurzen Radiopulses: “Wir haben ermittelt, dass die Energie dieses Bursts, über die Bandbreite des Instruments betrachtet, bei rund 2 x 1042 erg liegt”, berichten Ryder und sein Team. Damit ist dieser Radioblitz auch einer der energiereichsten, die je beobachtet wurden. In einem winzigen Sekundenbruchteil setzte er so viel Energie frei wie die Sonne in 30 Jahren. Trotz seiner weit entfernten Quelle erzeugte FRB 20220610A ein stärkeres Radiosignal als Radioblitze aus unserer eigenen oder eng benachbarten Galaxien. Wie die Astronomen erklären, wirft die hohe Energie Fragen zur Entstehung dieses Extrem-Radioblitzes auf. Denn gängigen Modellen nach entstehen die energiereichen Radioblitze entweder nahe der Oberfläche eines hochmagnetisierten Neutronensterns oder aber in den stark beschleunigten, durch Schockwellen angeregten Strahlungs- und Teilchenströmen, die ein solcher Neutronenstern bei Ausbrüchen ausstößt. “FRB 20220610A und andere helle FRBs sind jedoch mit beiden Modellen nur schwer zu erklären”, konstatieren Ryder und seine Kollegen.





