Am 8. März raste ein fünfzig bis hundert Meter großer Asteroid 450.000 Kilometer an der Erde vorbei. Bemerkt wurde der kosmische Eindringling erst vier Tage später, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist.
Das Objekt, das jetzt den Namen “2002 EM7” erhielt, näherte sich der Erde aus einer Richtung, für die Astronomen “blind” sind: Der Asteroid entfernte sich gerade von seinem sonnennächsten Punkt, der etwa auf halbem Weg zwischen den Bahnen von Venus und Merkur liegt. Als er der Erde am nächsten kam – dabei war er nur anderthalb mal so weit entfernt wie der Mond – stand er direkt neben der Sonne und war deshalb für die Astronomen unsichtbar. Erst am 12. März wurde der Irrläufer von Astronomen des Lincoln Laboratory am Massachusetts Institute for Technology gesichtet, weil seine helle, sonnenbeschienene Seite ins Blickfeld kam.
Mittlerweile hat Timothy Spahr vom Harvard Smithsonian Center for Astrophysics die Bahnkurve des Asteroiden berechnet. Demnach braucht 2002 EM7 323 Tage für einen Umlauf um die Sonne und entfernt sich bis zu 188 Millionen Kilometer vom Zentralstern. Bislang wurde erst ein Asteroid beobachtet, der der Erde noch näher kam, und zwar das Objekt 1996 JA1 am 19. Juni 1996.
Mit seinem Durchmesser von fünfzig bis hundert Metern ist 2002 EM7 zu klein, um in die Liste potenziell gefährlicher Asteroiden aufgenommen zu werden. Er ist aber wahrscheinlich größer als das Tunguska-Objekt, dessen Explosion in der Atmosphäre 1908 2000 Quadratkilometer sibirischen Wald flach legte.
Die Chancen, dass 2002 EM7 in den nächsten hundert Jahren die Erde trifft, sind klein, aber vorhanden: Sie liegen zwischen eins zu sechs Millionen und eins zu einer Milliarde. Wenn die Bahndaten besser bekannt sind, werden diese Schätzungen vermutlich noch nach unten korrigiert, beruhigt Harvard-Forscher Brian Marsden.
Ute Kehse





