Nach Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie breitet sich die Gravitation mit Lichtgeschwindigkeit aus. Doch dies konnte bisher noch nie direkt nachgewiesen werden. Einer konkurrierenden Theorie zufolge, breitet sich die Gravitation 20-milliardenmal schneller als das Licht aus. Sergei Kopeikin von der Universität von Missouri in Columbia und Ed Fomalont vom National Radio Astronomical Observatory in Charlottesville haben jetzt in einer im e-Print-Archiv arXiv.org (gr-qc/0206022) veröffentlichten Rechnung gezeigt, dass eine besondere Himmelskonstellation am 8. September dieses Jahres eine Messung dieser Geschwindigkeit ermöglichen wird.
Am 8. September 2002 wird sich der Planet Jupiter in etwa in der Sichtlinie zwischen der Erde und dem
Quasar J0842+1835 befinden. Das auf die Erde treffende Licht dieses weit entfernten Quasars wird also durch Jupiters Gravitationsfeld abgelenkt werden.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Kopeikin gezeigt, dass es neben der von Einstein vorhergesagten Ablenkung des Lichts einen weiteren Ablenkungseffekt gibt, wenn sich die Gravitationsquelle ? im vorliegenden Fall Jupiter ? bewegt. Der Clou: Die Größe dieser weiteren Ablenkung hängt von der Ausbreitungsgeschwindigkeit der Gravitation ab. Somit kann man ihre Geschwindigkeit durch Messung der zusätzlichen Ablenkung bestimmen.
Kopeikin und Fomalont haben nun berechnet, dass durch eine sogenannte VLBI-Beobachtung der Bewegung Jupiters vor dem Quasar die Geschwindigkeit der Gravitation bis auf zehn Prozent genau bestimmt werden kann. Bei VLBI (very large base interferometry) werden weit voneinander entfernte Radioteleskope zusammengeschaltet. Aus dem Laufzeitunterschied der vom Quasar ankommenden Signale kann man dann die Lichtablenkung berechnen.
Axel Tillemans