Die Urahnen der Fledermäuse konnten sich beim Fliegen noch nicht mit Hilfe von Ultraschallwellen orientieren. Das schließen zumindest US-Wissenschaftler aus Merkmalen im Körperbau einer bislang unbeschriebenen Fledermausart, die vor 52 Millionen Jahren lebte und deren versteinerte Überreste jetzt analysiert werden konnten. Die Funde zeigen auch, dass zumindest einige Fledermausarten zuerst die Fähigkeit zum Fliegen und erst später die Orientierung mit Hilfe von Ultraschall entwickelt haben.
Alle heute lebenden Fledermausarten können mit Hilfe der Echoortung während des Fluges Hindernissen ausweichen und ihre Beute, hauptsächlich Insekten, aufspüren und fangen. Dazu erzeugen sie in ihrem Kehlkopf hohe Töne im Ultraschallbereich, die sie über ihr Maul oder die Nase aussenden. Treffen die Töne auf Hindernisse wie beispielsweise Bäume oder Insekten, so werden sie von diesen Objekten als Echos zurückgeworfen. Die Fledermäuse erfassen diese mit ihren trichterförmigen Ohren und können anhand der Zeitunterschiede der einzelnen Echos die Entfernung und, sofern vorhanden, die Bewegung sowie die Geschwindigkeit der einzelnen Objekte bestimmen.
Für diese Echoortung sind einige Anpassungen bei verschiedenen Körperteilen und im Gehirn notwendig. Bei den von den Forschern nun untersuchten Fossilien fehlen diese Anpassungen, beispielsweise in den Stirnhöhlen und am Schädel. Wie die Ur-Fledermäuse demnach ihre Beute fingen, ist momentan noch nicht geklärt. Eine weitere Besonderheit der neuen Fledermausart sind die Krallen an sämtlichen Finger- und Fußgliedern. Normalerweise verfügen diese Tiere nur am Daumen und den Füßen über Krallen. Die altweltlichen Flughunde, die kleinere der beiden Unterordnungen der Fledermäuse, haben zudem meistens noch eine Kralle am zweiten Finger. Die beiden Fossilien, auf der die Beschreibung der neuen Art beruht, wurden in der Green River Formation in Wyoming gefunden und stellen die bisher ursprünglichste der beschriebenen Fledermausarten dar.
Obwohl die Fossilien bereits vor mehreren Jahren gefunden worden waren, konnten die Wissenschaftler um Nancy Simmons vom amerikanischen Museum für Natur-Geschichte in New York erst jetzt eine genaue Untersuchung vornehmen. Verantwortlich dafür war unter anderem, dass ein privater Sammler vor etwa sechs Jahren das erste der beiden Fossilien aufgekauft hatte. Bei diesem war zudem bei der Präparation der Schädel zerstört worden. Den Paläontologen stand daher nur ein Abdruck des Fossils zur Verfügung ? zu wenig, um eine neue Art beschreiben zu können. Erst 2004 gelang es den Wissenschaftlern, ein weiteres Fossil dieser Art zu erwerben, das noch nicht aus dem umgebenden Gestein herauspräpariert war. In monatelanger Feinarbeit legte ein Museumstechniker das Fossil so frei, dass es genauer untersucht werden konnte.
Nature, Onlinedienst, DOI: 10.1038/news.2007.184 ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker





