von THORSTEN DAMBECK
Der 21. Juli 2024 war für die Marsforschung ein besonderer Tag: Damals entdeckte der NASA-Rover Perseverance einen Felsen, der später nach einem Wasserfall im Grand Canyon benannt wurde: Cheyava Falls. Das sechsrädrige Gefährt hatte ihn am Seitenhang eines Tales aufgespürt, wo Jahrmilliarden zuvor Wasser in den Krater mit dem Namen Jezero geflossen war. Halb vergraben lugte der Brocken aus dem roten Sand. Seine weißen Adern deuten darauf hin, dass einst Wasser durch sein Inneres gesickert war. Was besonders ins Auge sticht, sind helle und dunkle Flecken auf der Oberfläche des Felsens. Sie erinnern an die Fellzeichnung eines Leoparden. Auch auf der Erde kennt man Derartiges: Sehr ähnliche Gesteinsflecken können durch Mikroben entstehen – niemals zuvor hatte man auf dem Mars so etwas gesichtet.
Der 45 Kilometer große Jezero-Krater liegt mit 18 Grad nördlicher Breite relativ nahe am Marsäquator. Die NASA hatte ihn als Landestelle ausgewählt, weil dort in der Frühzeit des Mars, vor etwa vier Milliarden Jahren, ein Meteorit den Krater geschlagen hatte und dieser später einen ausgedehnten See beherbergte. Seit der Landung im Februar 2021 studiert der Rover den Boden des Kraters sowie dessen Wall und zuletzt die nähere Umgebung. Inzwischen hat das Robotfahrzeug über 37 Kilometer zurückgelegt.
Lebensfreundliche Regionen
Am genannten Juli-Tag war das Marsmobil im Zufluss des einstigen Jezero-Sees unterwegs, als es auf den faszinierenden Felsen stieß. Dieser erlaubt nun Einblicke in eine lebensfreundliche oder – wie es im Jargon heißt – habitable Phase der Marsgeschichte.
„Bewohnbar“ wäre die wörtliche Übersetzung. Gemeint ist der Abstandsbereich um einen Stern, in dem es nicht zu heiß oder zu kalt ist, um auf der Oberfläche eines dort kreisenden Planten dauerhaft flüssiges Wasser entstehen zu lassen. Die Idee hinter diesem Konzept: Ohne Wasser als Lebenselixier ist auch die Ansiedlung von Organismen nicht möglich.
In unserem Sonnensystem ist die Erde seit Jahrmilliarden dauerhaft habitabel. Und wie steht es um die benachbarten Planeten? Die Venus ist heute vor allem wegen ihrer dichten Gashülle und dem enormen Treibhauseffekt darin viel zu heiß. Ob dies immer so war, ist umstritten: Manche Forscher halten eine Milliarden Jahre lange habitable Phase für möglich. Hingegen ist heute der Mars wegen seiner extrem dünnen Gashülle und seiner Sonnenferne zu kalt für flüssiges Wasser. Seine Temperatur beträgt im globalen Mittel minus 63 Grad Celsius. Warum war dies früher anders?
Seit Langem fragen sich Wissenschaftler, wie aus einem mit milden Temperaturen verwöhnten Planeten, auf dem es nicht nur Seen und Flüsse, sondern vielleicht sogar Meere gab, die eiskalte und trockene Wüste von heute wurde. Womöglich existierte früher eine dichtere Gashülle mit mehr Kohlendioxid. Doch wohin ist die Urluft entschwunden? Wurde sie wie auf der Erde zum Teil in Gestein eingelagert?





