Ein von Jeremy Heyl vom Harvard-Smithsonian Zentrum für Astrophysik angeführtes Astronomenteam hat nun die bisher überzeugendsten Hinweise auf das Vorhandensein dieses Ereignishorizonts gefunden. Die Schlussweise basiert auf Beobachtungen von Neutronensternen und ist daher indirekt: Wenn Materie auf diese extrem dichten, aus Neutronen bestehenden Sterne trifft, so kommt es gelegentlich zu gewaltigen Kernfusionen, die sich durch die Aussendung von Röntgenstrahlen bemerkbar machen. Heyl zeigt in seiner Arbeit nun, dass auch die massereicheren Schwarzen Löcher derartige Röntgenemissionen zeigen sollten ? falls sie eine “gewöhnliche” Oberfläche und damit keinen Ereignishorizont aufweisen. Da derartige Röntgenblitze bisher niemals beobachtet wurden, müssen Schwarze Löcher ergo von einem Ereignishorizont umgeben sein.
Wenn Lichtstrahlen in die Nähe dieses Ereignishorizonts gelangen, so sollten sie daher auch Energie an das Schwarze Loch verlieren. Astronomen der Universität von Maryland um Jane Turner haben diesen Energieverlust nun erstmals in den Röntgenspektren der so genannten Akkretionsscheiben Schwarzer Löcher nachgewiesen. Dies sind mit den Saturnringen vergleichbare Materiescheiben, die im Laufe der Zeit Masse an das Schwarze Loch verlieren. Von den Scheiben ausgehende Lichtstrahlen verlieren aufgrund der Nähe zum Ereignishorizont Energie und werden daher “abgebremst”. Dies führt zu einer Ausschmierung der Spektrallinien der Atome der Akkretionsscheiben ? und genau diesen Effekt hat das Maryland-Team nun mit Hilfe der Chandra- und Newton-Röntgensatelliten nachgewiesen.
Die an den Studien beteiligten Astronomen hoffen, dass ihre Ergebnisse zu einem besseren Verständnis der Physik Schwarzer Löcher führen werden. Der Ereignishorizont ist schließlich der zuletzt beobachtbare Ort vor der unendlichen Schwärze der Schwarzen Löcher. Dass die Allgemeine Relativitätstheorie selbst in diesen extremen Bereichen des Universums ihre Gültigkeit beibehält, erstaunt Physiker immer wieder.





