Am 16. Juli 1969 um 14:32 Uhr Mitteleuropäischer Zeit donnerte eine gigantische Saturn-V-Rakete in den Himmel. Es war der Start von Apollo 11, jener historischen Mission, die dazu führte, dass wenige Tage später, am 21. Juli um 3:56 Uhr MEZ, erstmals ein Mensch den Mond betrat. Von eher kleinlichen, aber doch großformatigen Motiven getrieben – ein stolzgeschwellter Wettlauf (“space race”) von rund 400.000 Kilometer in einem über 10 hoch 18 Mal so großen Universum –, entstand etwas Neues (zumindest im Sonnensystem, wenn nicht in der Galaxis): der Sprung über einen kosmischen Abgrund. An Bord von Apollo 11 waren drei Männer: Neil Armstrong, Edwin Aldrin und Michael Collins.
Armstrong und Aldrin waren mit dem Landemodul Eagle im “Meer der Stille” gelandet und hatten sich 21 Stunden auf der Mondoberfläche aufgehalten, davon zweieinhalb Stunden außerhalb ihres Moduls, und rund 20 Kilogramm Gestein eingesammelt sowie wissenschaftliche Instrumente aufgestellt. Collins umkreiste indessen mit der Raumfähre Columbia den Mond – und war übrigens der erste “einsamste Mensch” überhaupt, denn auf der erdabgewandten Mondseite war er vollkommen isoliert und von der übrigen Menschheit weiter entfernt als je eine Person zuvor.
Vom Mond zum Mars
Wie kein anderer der insgesamt zwölf Menschen, die zwischen 1969 und 1972 den Mond betreten hatten, machte sich Aldrin im nicht immer einfachen Leben danach, zurück auf der Erde, um die weitere Entwicklung der bemannten Raumfahrt verdient. Inzwischen hat er sich auch offiziell in Buzz Aldrin umbenannt, wie er immer gerufen wurde. (Den Spitzname für “buzzer” = “brother” erhielt er gleich nach seiner Geburt von seiner kapp zwei Jahre älteren Schwester). Er wurde am 20. Januar 1930 in Montclair, New Jersey, geboren. Er promovierte 1963 am Massachusetts Institute of Technology über Rendezvoustechniken im Orbit und kam wenig später mit einigem Glück in den Astronauten-Kader der NASA und 1966 mit Gemini 12 in die Erdumlaufbahn, wo er den ersten “Weltraumspaziergang” vollführte, der mehr als ein Ausstieg war, sondern einen Arbeitseinsatz. Aldrin hatte dafür Unterwasser-Trainingstechniken zur Simulation von Schwerelosigkeit vollführt und entwickelt.
Inzwischen ist Aldrin einer der engagiertesten Fürsprecher für eine bemannte Landung auf dem Nachbarplaneten Mars. Er hat 1985 sogar ein eigenes Konzept dafür entwickelt, das zyklische Flüge ermöglichen würde, und mit Starcraft Boosters, Inc., sogar ein Design-Unternehmen für Raketen gegründet. Aldrin hält es für durchaus machbar, dass Menschen bereits in 30 Jahren den Roten Planeten betreten.
Dafür plädierte er auch letzte Woche scheinbar in der Provinz, auf der Ostalb. Allerdings ist diese “Provinz” mit dem Lonetal nicht nur eine Wiege der menschlichen Kultur – mit die ältesten Kunstwerke stammen wurden dort gefunden –, sondern mit dem Steinheimer Becken, einem knapp vier Kilometer großen und 15 Millionen Jahre alten Einschlagskrater, auch ein besonders kosmischer Ort. Anlass von Aldrins Besuch war allerdings etwas anderes: die Eröffnung des neuen Zeiss Forum und Museum in Oberkochen, dem Stammsitz des 1846 gegründeten Unternehmens mit weltweit über 24.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern und einem Jahresumsatz von rund 4,2 Milliarden Euro. Zeiss ist international führend in Optik und Optoelektronik und stellt neben hochwertigen Brillengläsern, Foto- und Filmobjektiven, Ferngläsern und Planetarien auch High-Tech-Produkte für die Halbleiter-, Maschinenbau- und Automobilindustrie her sowie für die Medizintechnik.





