Kohlenstoffstaub industrieller Anlagen kühlt die Erdoberfläche und erwärmt gleichzeitig die Atmosphäre. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie der Aerosolverteilung über dem Indischen Ozean. Eine Störung der Atmosphärenzirkulation und die Beeinflussung von Regenzyklen könnten die Folge sein.
Von 1997 bis 1999 hatte ein internationales Team die Verteilung kleiner Festkörperpartikel (Aerosole) über dem Indischen Ozean gemessen. Dazu setzten die Wissenschaftler sowohl Bodenmessungen als auch satellitengestützte Sensoren der NASA ein. Neben natürlichen Aerosolen wie Salz und Wüstensand wurde dabei eine hohe Konzentration von feinem Kohlenstoffstaub in der Atmosphäre beobachtet. Dieser Staub reflektiert einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung und verringert somit Sonnenstrahlung auf der Erde um bis zu zehn Prozent. Dadurch kühlt die Erdoberfläche ab. Gleichzeitig absorbieren die Staubteilchen auch einen Teil der Sonnenstrahlen und erwärmen somit die Atmosphäre.
Dieser zweifache Effekt – die Abkühlung der Erdoberfläche und die Erwärmung der Atmosphäre – ist nach Meinung von Wissenschaftlern des Scripps Instituts für Ozeanographie in San Diego in der Lage, Luftzirkulationen in der Atmosphäre zu beeinflussen. Dies könnte sowohl Auswirkungen auf die Entwicklung des Weltklimas haben, als auch lokal zu Veränderungen der Regenzyklen wie zum Beispiel des Monsuns führen. Allerdings ist noch unklar, wie die Aerosole das Klima beeinflussen.
Die Aerosolverschmutzung über dem Indischen Ozean bedeckt eine Fläche der Größe der Vereinigten Staaten von Amerika und ist zu einem Großteil von Industrieabgasen in Südostasien verursacht. Das Wachstum asiatischen Schwellenländer macht den Indischen Ozean zu einem Modellsystem für die Erforschung menschlicher Umweltverschmutzung.
Stefan Maier