1,84 Millionen Jahre alt und trotzdem modern
In der Olduwai Schlucht in Tansania haben die Forscher nun ein sehr altes und trotzdem erstaunlich modernes Handfragment entdeckt. Es handelt sich um den 1,84 Millionen Jahre alten Knochen eines linken kleinen Fingers. Er stammt damit aus der Zeit, in der in dieser Region noch Vertreter des Australopithecus lebten, aber auch schon der Homo habilis, der “geschickte Mensch”. Doch der neuentdeckte Fingerknochen weicht von den Handformen dieser frühen Menschenformen ab, wie die Forscher berichten. Stattdessen ähnelt der OH 86 getaufte Knochen eher Fingern der modernen Hand. Dafür spricht unter anderem das Verhältnis von Dicke zu Länge, die gerade, kaum gebogene Form des Knochens und eine stärker als bei den Australopithecinen abgeflachte Knochenbasis. “OH 86 ist damit der älteste Fingerknochen eines Homininen innerhalb des modernen Formenraums”, konstatieren Domínguez-Rodrigo und seine Kollegen. Erstaunlich daran: Obwohl der Homo habilis zeitgleich lebte und seine Relikte ebenfalls in der Olduwai-Schlucht unweit des jetzigen Fingerfunds entdeckt wurden, passen seine Finger noch nicht ins moderne Schema.
Das aber könnte bedeuten, dass der Finger einem Frühmenschen gehörte, der weder ein Homo habilis noch ein Australopithecus war. Seine Finger ähneln stattdessen eher denen von Vertretern des Homo erectus, die vor rund 1,5 Millionen Jahren im Gebiet des heutigen Kenia lebten. “Aber diese sind erheblich jünger als OH 86”, sagen die Forscher. Wertvolle Hinweise könnten Funde von Schädelfragmenten oder Zähnen des Besitzers von OH 86 liefern, doch diese wurden bisher nicht gefunden. Wem der Finger tatsächlich gehörte und ob es in der Olduwai-Schlucht vor rund 1,84 Millionen Jahren vielleicht eine noch unbekannte Menschenart gab, bleibt daher vorerst im Dunkeln. Klar scheint nur, dass sich entscheidende Merkmale der modernen menschlichen Hand offenbar früher entwickelten als bisher angenommen.





