Für Radioteleskope blieb der Pulsar jedoch weiterhin unsichtbar – bis zum 22. Februar 2002, als Camilo und sein Team das derzeit größte steuerbare Radioteleskop der Welt, das Robert C. Byrd Green Bank Teleskop im US-Bundesstaat West Virginia auf die Explosionswolke richteten. Die Forscher empfingen äußerst schwache Radiosignale von dem Pulsar PSR J0205+6449, etwa 250 Mal schwächer als die Signale des berühmten Pulsars im Crab-Nebel, der 1054 bei einer Supernova-Explosion entstand.
“Einen so jungen Pulsar gefunden zu haben könnte sich als Goldmine für die kommenden Jahre entpuppen”, freute sich Camilo über die Entdeckung, die er demnächst in den Astrophysical Journal Letters vorstellen wird. “Mit Radiowellen kann man präziser als mit Röntgenwellen messen, wie sich die Rotationsgeschwindigkeit des Sterns verlangsamt. Das könnte uns Hinweise darauf geben, welcher Mechanismus Neutronensterne zwingt, langsamer zu werden.”
Pulsare haben meist starke elektrische und magnetische Felder, die Elektronen und noch kleinere Teilchen fast bis auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigen, wobei die Teilchen elektromagnetische Strahlung verschiedener Wellenlängen aussenden, unter anderem im Radio- und im Röntgenbereich. Mit der Zeit rotieren Pulsare immer langsamer, bis ihre Radioemissionen nach einigen Millionen Jahren ganz aufhören. Camilo hofft nun, andere schwach strahlende Pulsare mit dem Green Bank Teleskop zu finden und eine “Volkszählung der Pulsare” der Milchstraße durchführen zu können.





