Der am 2. Juli 2001 entdeckte Asteroid 2001 KX76 ist zwischen 1.200 und 1.400 Kilometer groß. Damit stürzt er den im Jahr 1801 entdeckten Asteroiden Ceres vom Thron. Das meldet die Europäische Südsternwarte (ESO).
2001 KX76 ist nach Pluto das bislang größte bekannte Objekt im Kuiper-Gürtel, dem Asteroidengürtel außerhalb der Neptunbahn. Ceres bleibt aber mit seinem Durchmesser von 950 Kilometer der größte Asteroid im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.
Zur Bestimmung der Größe von 2001 KX76 war es notwendig, seine Entfernung zu ermitteln. Dies gelang einem Astronomenteam um Gerhard Hahn vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit einer Kombination aus Beobachtungen mit dem La-Silla-Teleskop der ESO in Chile und dem Einsatz des neuen “virtuellen Teleskops” Astrovirtel.
Astrovirtel ist ein Computer-gestütztes Archivierungs- und Auswertungssystem. Die Astrovirtel zugrunde liegende Idee ist, dass bei jeder astronomischen Beobachtung eine Menge an Daten anfallen, die für das gerade durchgeführte Projekt gar nicht benötigt werden, für zukünftige Projekte aber vielleicht interessant sein könnten. Diese “Abfalldaten” werden von Astrovirtel gespeichert und archiviert.
Davon konnte jetzt auch das Team um Gerhard Hahn profitieren. Denn es stellte sich heraus, dass 2001 KX76 in den letzten 18 Jahren bereits mehrmals als schwacher Lichtpunkt auf Fotografien aufgetaucht war. Dadurch konnte die Umlaufbahn des Asteroiden präzise bestimmt werden. Zur Zeit ist 2001 KX76 sechseinhalb Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Das ist 43-mal der Abstand Erde-Sonne.
Jetzt, wo der Orbit von 2001 KX76 relativ sicher bestimmt ist, ist es an der Zeit, dem Asteroiden einen “richtigen” Namen zu geben. Das Vorrecht auf einen Namensvorschlag steht dem Entdeckerteam um Robert Millis vom Lowell Observatory in Arizona zu. Nach derzeitigem Brauch sollen die Objekte des Kuiper-Gürtels mythologische Namen erhalten, die einen Bezug zur “Schöpfung” haben. Die endgültige Entscheidung trifft das Committee on Small Body Nomenclature der Internationalen Astronomischen Union.
Axel Tillemans





