Die Ergebnisse der antiken Schlepperei lassen sich jedenfalls auch heute noch in Baalbek bestaunen: Im Sockel des Heiligtums des Gottes Jupiter Optimus Maximus Heliopolitanus sind einige der größten monolithischen Quadersteine der Antike verbaut. Vor allem in der Spätantike hatte sich die damals Heliopolis genannte Stadt zu einem wichtigen Zentrum im Osten des römischen Reiches entwickelt. Die Bausteine für die Monumentalbauten des eindrucksvollen Tempelbezirks stammten aus einem nahen Kalksteinbruch. Dort liegt auch noch der bisher größte bekannte Bauklotz, der Hajjar al-Hibla oder Stein der schwangeren Frau. Er ist knapp 20 Meter lang und etwa vier mal vier Meter hoch und breit. Doch dem aktuellen Fund zufolge ließen sich diese Maße offenbar noch toppen.
Er glückte Forschern der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts bei weiteren Ausgrabungen im Steinbruch. Direkt neben dem Hajjar al-Hibla stießen sie auf den neuen Rekordhalter. Er ist fein säuberlich behauen, 19,60 m lang, 6 m breit und mindestens 5,5 m hoch. Während der Hajjar al-Hibla etwa 1.000 Tonnen wiegt, bringt es der neue Steinblock auf eine Masse von etwa 1.650 Tonnen. Da eine Schmalseite bereits sehr gut geglättet ist und die Vorgaben für die Glättung einer Langseite erhalten sind, muss geplant gewesen sein, den gesamten Block zur Tempelbaustelle zu schleppen, sagen die Forscher. Wie die antiken Arbeiter solche Mega-Transporte durchführten, ist bisher rätselhaft.
Warum ließ man die Giganten liegen?
Doch warum blieben der Hajjar al-Hibla und sein dickerer Bruder liegen? Zumindest im Fall des Hajjar al-Hibla scheint der Grund nun klar: Untersuchungen des Steins ergaben, dass dieser Block vermutlich wegen seiner ungenügenden Qualität verschmäht wurde. Neben einem bereits bekannten Riss im oberen Drittel war nämlich das Gestein in einer Ecke minderwertig. So befürchtete man vermutlich damals, dass der Klotz beim Transport brechen könnte, sagen die Archäologen.
Warum die Arbeiter einst auch von dem neuen Rekordhalter abließen, sollen nun weitere Untersuchungen klären. Außerdem wollen die Archäologen der buchstäblich großen Frage nachgehen, wie die antiken Bauleute die Kalkstein-Monster zu den rund 900 Meter weit entfernten Tempelbaustellen beförderten.