Der für Demenzerkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit typische Hirnschwund beginnt früher als bisher vermutet: Mehrere Jahre bevor sich ein Gedächtnisverlust bemerkbar macht, ist die Hirnstruktur von Demenzpatienten bereits verändert, haben amerikanische Wissenschaftler in einer kleinen Studie mit gesunden älteren Menschen und solchen beobachtet, die leichte Wahrnehmungs- und Gedächtnisstörungen entwickelten.
In einer fünf Jahre dauernden Studie verfolgten die Hirnforscher um Charles Smith mehr als 130 ältere Menschen und untersuchten in regelmäßigen Abständen deren geistige Fähigkeiten sowie die Gehirnstruktur mithilfe bildgebender Verfahren. Bei 23 Probanden diagnostizierten die Ärzte am Ende der Studie die Alzheimer-Krankheit oder eine leichte Wahrnehmungsstörung, aus der sich erfahrungsgemäß in den meisten Fällen später eine Demenzerkrankung entwickelt. Im Vergleich zu den gesunden Probanden hatten diese Patienten schon fünf Jahre zuvor weniger
graue Substanz in den Hirnarealen, in denen Erinnerungen verarbeitet werden. Diese graue Substanz besteht hauptsächlich aus den Nervenzellkörpern sowie den Zellen, die diese Nervenzellen stützen und versorgen.
Zwar hatte zu Beginn der Studie kein Versuchteilnehmer unter Wahrnehmungs- oder Gedächtnisstörungen gelitten. Doch die Probanden, die während der Studienzeit erkrankten, schnitten bereits zu Beginn in den Gedächtnistests schlechter ab, sagen die Wissenschaftler. Dass Hirnveränderungen schon vier bis fünf Jahre vor einem Gedächtnisschwund einsetzen, erstaunt Studienleiter Smith nicht: Die Alzheimer-Erkrankung beginne wahrscheinlich schon mehrere Jahre, bevor sich die Symptome deutlich zeigen, kommentiert er. Die Identifizierung der typischen frühen Veränderungen könnte daher helfen, die Krankheit bereits in einem frühen Stadium zu diagnostizieren.
Charles Smith (Universität von Kentucky, Lexington) et al.: Neurology, Bd. 68, S. 1268 ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin