Der Damhirsch ist der nächste Verwandte des bis vor 8.000 Jahren in ganz Europa verbreiteten Riesenhirschs. Das haben Wissenschaftler aus Großbritannien und Irland in Gentests gezeigt und damit einen viele Jahrzehnte alten Forscherstreit beendet. Demnach gehen die ausgestorbenen Riesenhirsche und die heute noch häufig vorkommenden Damhirsche auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück und sind nur weitläufig mit anderen Hirscharten wie dem Rothirsch oder dem asiatischen Sikahirsch verwandt.
Für die steinzeitlichen Jäger muss die Begegnung mit einem Riesenhirsch ein äußerst eindrucksvolles Erlebnis gewesen sein: Mit einer Schulterhöhe von etwa zwei Metern waren die Tiere ungefähr so groß wie heutige Elche, doch das bis über 3,50 Meter weit ausladende Geweih schlägt alle Rekorde, was den Kopfschmuck von Tieren angeht. Bis heute sind zahlreiche Felszeichnungen erhalten, in denen die Steinzeitmenschen diese Riesen festhalten. Der Riesenhirsch breitete sich vor 400.000 Jahren von Europa bis Asien aus und starb vor etwa 8.000 Jahren aus. Lange Zeit hatten Forscher vermutet, dass der in Europa weit verbreitete Rothirsch zu seinen Nachfahren zählt ? eine These, die Adrian Lister und seine Kollegen nun widerlegten.
Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie Knochen und Zähne zweier Tiere, die vor 7.000 bis 12.000 Jahren in Irland und Sibirien gelebt hatten. Sie entnahmen Erbgutproben und verglichen diese mit dem Genmaterial heute zwischen Westeuropa und Südostasien lebender Hirscharten. So konnten die Forscher die Entwicklung der Hirsche in einem Stammbaum nachzeichnen. Der Rothirsch und der aus Asien stammende Sikahirsch gehören zu einem Zweig dieses Stammes, während Riesenhirsch und Damhirsch einer anderen Verzweigung entstammen, ergab die Auswertung.
Adrian Lister (University College, London) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, doi:10.1038/nature04134
ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald