Wer dem Google-Sprachsystem “Duplex” dabei zuhört, wie es eloquent telefonisch einen Friseurtermin für einen Damen-Haarschnitt vereinbart, ist erstaunt, wie virtuos eine Maschine heute schon sprachlich agieren kann. „Das würde ich als recht smarte Maschine bezeichnen“, sagt Technologieexperte und Autor Ulrich Eberl zur Eröffnung der Konferenz „Smarte Maschinen im Einsatz, künstliche Intelligenz in der Produktion“, die am 15. Mai von der Konradin Mediengruppe in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart veranstaltet wurde. Die Angerufene habe nicht bemerkt, dass sie mit einer Maschine gesprochen habe. „Maschinen können bereits ähnlich gut wie der Mensch laufen, greifen, sprechen, zuhören, lesen“, so Eberl, „auf dem Gebiet hat sich in den vergangenen 5 Jahren mehr getan als in den 50 Jahren zuvor.“

Deutschland stehe im internationalen Wettbewerb gut da, betont Eberl: Nicht nur die Hälfte der Patente rund um das autonome Fahren stamme aus Deutschland. Auch die Datenbewältigung, die das maschinelle Lernen mit sich bringt, kommt uns ein Stück weit zugute: „Deutsche Unternehmen haben hier den Vorteil, dass sie dank unserer starken industriellen Basis über viele Daten bereits verfügen.“ Blickt man allerdings auf die strategische Ausrichtung der Unternehmen hat Deutschland noch einiges aufzuholen: Nur ein Viertel aller deutscher Unternehmen hat laut Eberl eine Strategie, wie sie künstliche Intelligenz (KI) im Unternehmen integrieren wollen. Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen behaupten, diese Kompetenz auch nicht auf dem Markt zu finden.
Möglichst natürliche Interaktion zwischen Mensch und Maschine
Für ein erfolgreiches Umdenken in der Industrie sei ein Kulturwandel nötig, betont Marco Huber, designierter Leiter des Zentrums für Cyber-Cognitive Intelligence am Fraunhofer IPA: „Für digital first müssen nicht nur die Technologie und das Geschäftsmodell passen, sondern auch die Denkweise.“ Unternehmen erreichen das aus seiner Sicht am ehesten, wenn sie innerhalb ihrer Strukturen eine Art Startup-Kultur aufbauen. Ein wichtiger Trend aus seiner Sicht ist die Produktion hochgradig personalisierter Güter, die dank Vernetzung und neuer Technologien wie 3D-Druck kaum teurer seien als massenproduzierte Waren. Wichtig sei dafür eine möglichst natürliche Interaktion zwischen Mensch und Maschine: „Dazu müssen die Maschinen ihre Sensitivität und Mobilität sowie das Erkennen von Emotionen lernen und verbessern.“






