Spitzenforscher „Wir kaufen Sie aus”, erklärte der Vorsitzende des Forschungsausschusses im US-Kongreß, James Sensenbrenner jr., vor kurzem bei einem Besuch der Max-Planck-Gesellschaft. Die MPG – eine der weltweit feinsten Adressen für Grundlagenforscher – hat ein Problem: Ihr fällt schwer, ausländische Koryphäen für eine Arbeit in Deutschland zu begeistern. Nach den Worten des MPG-Präsidenten Prof. Hubert Markl sind es nicht so sehr die ausländerfeindlichen Tiraden und Übergriffe, die Fremde davon abhalten, ihre Forscherkarriere in Deutschland fortzusetzen. Sondern es ist das Gehalt. Bei etwas über 200000 Mark Jahreseinkommen ist auch für die Allerbesten Schluß. Die angesehenen US-Forschungshochburgen zahlen mehr. Auch die Eidgenössische Technische Hochschule läßt sich bei Spitzenleuten auf ein großzügiges Salär ein. Selbst 400000 Mark sind dort im Bereich des Möglichen. „Könnten wir pro Jahr 30000 bis 50000 Mark mehr bezahlen, würden wir im internationalen Wettkampf um die besten Köpfe ungleich besser dastehen”, sagt Markl.
200000 Mark ist doch ein tolles Jahresgehalt für Leute, die auf Lebenszeit festangestellt sind, werden Sie sagen. Natürlich haben Sie recht. Doch Spitzenforscher sind keine Stubenhocker. Ihr Zuhause ist die Welt: Institutionen, die mehr zu bieten haben an Geräten und Mitarbeitern, dafür weniger an Bürokratie, schneiden im globalen Wettbewerb schon mal gut ab. Und wenn sich zu den wissenschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten noch ein deutliches Einkommensplus gesellt, werden selbst Forscher schwach. Dem „we buy you out” des James Sensenbrenner kann man mit den im öffentlichen Dienst maximal möglichen Bezügen finanziell schwerlich etwas entgegnen. So braucht sich niemand darüber zu wundern, wenn es weiterhin heißt: Der Nobelpreisträger ist ein Meister aus Nordamerika – auch wenn immer mehr Laureaten in einem anderen Land aufgewachsen sind.
Wolfgang Hess





